Buch 
Johannes von Müllers Briefe an Carl Victor von Bonstetten III : geschrieben vom Jahr 1773 bis 1809 ; Briefe an Herrn Charles Bonnet : Briefe an Freunde 1 / herausgegeben von Friederika Brun
Seite
162
JPEG-Download
 

162 Johannes von Müller Trieft,

Diese Grundsätze scheinen mit verschiedenenStellen meiner Recension des Buches: ein Lehrerdes Naturalism der schädlichste Mann,nicht gut zu paffen. Der Widerspruch wird aberbegreiflich, wenn ich hiemit diese uud verwandteSatze für Grundsätze, jene Stellen aber fürübertriebene Aeußerungen meines Unwillens undAbscheus vor der Gewissensstlaverei und der Scho-lastik,, für Uebereilungen, vor welchen ich bei mei-nem Feuer mich besonders hüten muß und hütenwerde — erkläre.

Wenn Ew. Hochw. das schreckliche Gemälde derVerwirrungen und des Unglücks, welches die Men-schensatzungen in der politischen und moralischen Weltangerichtet haben, sich lebhaft denken; wenn Siesich in die Vorstellung mit einem Menschen zu ver-setzen belieben, der seine Mitweltbürger herzlichliebt, aber noch mit dem vollen Feuer seines Gei-stes, mit ungewöhnlicher Lebhaftigkeit begabt ist:— so wird es Ihnen begreiflicher werden, wie ichso unbedachtsam einige Ausdrücke hinwerfen konnte.Es wird Ihnen so begreiflich werden, als es mirbegreiflich ist, daß diese Anzeige einem Mann vonIhrer Denknngsart, unbekannt mit dem Verfasser,unbekannt mit seinen Grundsätzen und mit seinemsonstigen Charakter, als offenbar naturalistisch vor-kommen mußte. Auch bin ich wirklich bange, ob ichin dieser Eile mich bestimmt genug ausgedrückthabe, um Ew. Hochw. falsche Begriffe von mir zubenehmen. Habe ich mich ausgedrückt, wie ichwolle, es ist genug für mich, daß ich weiß undfühle und aufrichtig bekenne, daß ich ein Christbin, und nach den Grundsätzen Christi zu leben,auch nach eben denselben beurtheilt zu werden be-gehre. Irre ich, ei nun so lebt ein Gott, der meinHerz besser kennt und meinen Irrthum gütiger,