Johannes von Müller Briefe. 184
in ihrem Verhältniß, mit alten und neuen Völkernauf Erden, mit allen Zeiten und Menschen, nichtmir dem Auge eines Bürgers sowohl, als aus demGesichtspunkt erblicke, in welchem sie sich dem zei-gen, der dieß Land als einen Theil des Ganzen derMenschheit betrachtet, — gibt mir auf der einenSeite gegründete Hoffnung zu reüssiren, und sporntmich auf der andern Seite an, die Studien, durchwelche die Griechen und Römer so viel größer wor-den sind, als die Menge unsrer Historiker, eifrigzu treiben. Ich arbeite mit mehr Interesse undLeichligkeit, als vormals; anir ist, ich erwache auseinem Schlummer und sehe den vollen Mittag, soganz anders finde ich von Zeit zu Zeit, was ich sonstim Detail enger und eingeschränkter beurtheilte.Ich trachte nicht denen nach, welche vor mir dieseGeschickte beschrieben, aber den Alten in Rom, Chä-ronea, Halikarnaß und Megalopolis. Ich liebedas Vaterland besonders wegen meiner Freunde;mit der Treuherzigkeit unserer Nation haben duund ich uns durch Freundschaft verbunden, und ichwill dein Freund mit der ersten Wärme bleiben, bisdieser See hier Korn tragt, bis auf diesen Gebirgen,Fische gefangen werden.
Ch’ Apenin parte, e ’I Mar circomla c l’Alpe.
Ich finde die Veränderung meiner Lage in allerAbsicht vortheilhafter und angenehmer, als ich mirselbst vorstellte. Jene Kutten, von denen du weißt,daß sie meiner Seele zu schwer waren, hielten mei-nen Geist im Staub. Tausend kleine Umständeverbitterten mir Tage, welche sonst dein Umgangmir versüßte. Nun fließen sie wie ein Bach, undder Geist schwingt sich auf wie ein Adler. Urtheilenicht, mein Freund, nack der Schreibart, welchein meinen Briefen an dich aus Eilfertigkeit derFreundschaft immer unausgearbeitec seyn wird.