Johannes von Müller Briefe.
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dieser Verzug eher eine Wohlthat für Sie, und eiirNacktheit für mich gewesen wäre.
Wie allzu junge Pflanzen in das unrechte Erd-reich zu früh verpflanzt, schmachten und keinen Sa-men dringen, so geht es dem noch unentwickelte»Geist der 'Freunde des Wahren und Guten.
Voll schöner, aber nnzusammcnhängender undundeutlicher Ideen kam ich 1771, wenige Woche»nach jener unsrer theuren Umarmung, in die Re-publik Schaffhausen, einen kleinen Staat, dessenVerfassung als eine Geburt mittlerer Seiten nichtvollkommen, aber, dem Verstand der alten Weltzufolge, ihm angemessen ist. Der Tumult des auf-wachenden menschlichen Verstandes ist bis auf einigeJahre in mehreren Kantons nur dunkel vernommenworden. Hier war ich obige Pflanze, und indeßich über anderthalb, bis auf zwei Jahre ohne Un-terlaß kränkelte, schrieb ich Ihnen, theils im Toneeines Milzsüchtigcn, theils im Tone einer altenBonne, welche Gespenster sieht, und davon erzählt.Und Gleim, der Dichter der Freude und der Tugend,er in Jacobi's freundschaftowarmcm Schoße, andie Stimme der zufriedenen muntern Weisheit ge-wöhnt, war so geduldig, meine Traume anzuhören;Wenn ich jemals für künftige Menschcnalter schrei-be, so verewige mein Kiel zuerst die Tugend deSDichters, dessen Genie, sich selbst genug, keinesRuhms bedürftig, sich selber verewiget hat. Wennich mich dieser Hypochondrie nun schäme, so bewun-dere ich besonders den hoben Grad derselben, wel-cher mir auch nicht im Schoß der Freundschaftund Wissenschaften, auch nicht an Ihrer Brust,dauerhafte Ruhe zuließ.
Im Mai 1 773 war ich bei der Gesellschaft znSchinznach; wir stimmten freudig in das Lob, wel-ches viele Glieder derselben Ihnen gaben. Hier sah