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Johannes von Müllers Briefe an Carl Victor von Bonstetten III : geschrieben vom Jahr 1773 bis 1809 ; Briefe an Herrn Charles Bonnet : Briefe an Freunde 1 / herausgegeben von Friederika Brun
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192 Johannes von Müller Briefe.

ich Einen, sechs oder sieben Jahre älter als ick.Auf den Trümmern Habsburqs lernte ich ihn ken-nen. Lavater fand unsere Physiognomie, also un-sern Charakter, aus der Maßen verschieden. Wirgestehe» einige Verschiedenheit der Nebenzüge; dieVerschiedenheit unsrer Erziehung, und dieses E i-n en größere Reife hatten sie unausweichlich gemacht.Aber das Ganze des Charakters, sei» Wesen, un-sere Geisteskräfte, derselben Proportion in unsernSeelen, fanden wir nach dem anhaltendsten Brief-wechsel, nach dem Zeugniß aller, die uns sahenund kennen, so übereinstimmend, so identisch, daßdieser Herr von Bonsterten aus Bern mein Freundwurde. Hier in Genf findet man selbst unsere Zügegewissermaßen so ähnlich, daß mich einige, die michnickt kannten, für meines Freundes Verwandtenhielten. Wir entdeckten uns unsre Herzen in we-nigen Monaten, und fanden jeder den zweitenTheil des Deinigen *). Im September, Okto-ber und November lebte ich bei meinem Freunde,achtzehn Stunden von Bern, zu Valeires, aufseinem Gut in der Waadt. Bei der Lecture Taci-tus, Voltaire's, Schaftesbury's, Bolingbrvke's,erwachte mein eingeschlummcrter Geist, und setzteseitdem den unterbrochenen Marsch dieser Ideenimmer eilfertiger fort. Von dem an richtete ich dieSacken zur Entfernung aus dem Vaterlande ein;nicht seine Einrichtungen, nicht meine Mitbürger,eine Einige Fessel, die ich ohne diesen Schritt nichtabwerfen konnte, war die Ursache meines Mißver-__ gnü-

*) Insofern es Liebe der Wissenschaften, vernünftigerFreiheit, und überhaupt des Guten und Wahren,betraf. In andern Sachen war Verschiedenheit.Anm. d. Berf.