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Johannes von Müller Briefe.
genie's, und Voltaire oder Fontenelle wären der-gleichen; des ersten Studium und Fach ist, dieKunst über alles schön und mit Grazie zu schrei-ben ; der zweite wußte alle Tiefen der ^Philosophiemit dem Schmuck seiner Einbildung zu zieren undleicht und deutlich vorzutragen. So ist der Mannvon Welt, wenn er von allem mit Geist und Ge-schmack spricht, nicht der Universalgeist, welcheralles umfaßt, sondern er hat aus der Lecture allerArt Literatur, wie die Biene den Saft gezogen,welcher im Leben anzuwenden ist, und ist über dasKritische und Hochphilosophische weggesprungen.Wenn Sie an mehr, als an Einer Art Wissen-schaft Geschmack finden, so sind Sie dadurch zudiesem letzten Fach bestimmt, und es liegt alleindaran, das Gemeinnützige, was im Leben und inder guten Gesellschaft gilt, auszuwählen zu wissen.Hierüber gebe ich Ihnen keinen Rath; vieles,was hier einschlagt, ist, besser als ich's sagenkönnte, bereits in Lord Chesterfields Briefen anseinen unächten Sohn gesagt. Diese Briefe wer-den Sie lehren, was man in der guten Gesell-schaft zu wissen braucht; mich aber, was die guteGesellschaft wissen will; so daß Sie mit dem Schul-gerippe todter Erudition Ihre Stunden nicht ver-derben , ich aber nicht Namen und Jahrzahlen inGesellschaften auslegen, oder, wenn ich schreibe,Bücher mit unnützen Details steif und strotzig ma-chen und aufschwellen werde.
Ich habe bedacht, daß ich die Ehre nicht habe,Mplord Chesterfields unachter Sohn zu seyn, unddaß ich die Vorzüge, welche diesem seine Abkunft,sein Reichthum, seine Lage gaben, mit einer ArtVerdienst, so er nicht nöthig hatte, d. i. mitdem genauesten Studium irgend einer Wissenschaft,durch die ich reüssiren könne, ersetzen müsse. Sie