Johannes von Müller Briefe. 203
wissen, daß ich hiezu die Wissenschaft der Führunggemeiner Wesen, die Politik der Monarchien undRepubliken erwählt, und mit dem Studium derKunstgriffe, durch welcke die Menschen regiert wer-den, verbinde ich die Kenntniß des öffentlichen,des deutschen und des Lehenrechtes, Kenntnisse,welche den Eroberern Präterte, den RepublikenApologien an die Hand geben, und durch welcheein beredter Mann die Welt von der Gerechtig-keit oder Ungerechtigkeit der großen Weltbegeben-heiten seiner Zeit überzeugt, seine unterdrückteNation den Völkern zum Mitleid und Beistandempfiehlt, oder mit dem sanften Scepter seinesFürsten die kleinen Staaten zur Unterwerfunganlockt. Diese Wissenschaft wird mir desto lieber,i) weil ich finde, daß die Eidgenossen nicht geringePolitik brauchen, um zu subsistiren, und weil icheine Zeit vermuthe, da sie solche noch weit nöthigerbrauchen werden, um einem Theil ihrer Nachbarnund den übrigen großen europäischen Mächten 'zurcmvnstriren, wie nützlich es denselben sey, unsbei unserer alten unschuldigen Unabhängigreit zulassen; 2) weil diese Wissenschaft alle Passionen be-schäftiget, und ein Mann, dessen Seele und Lei-denschaften lange unter den Ketten eines für ihnunschicklichen Berufs gedrückt worden, die Passio-nen, welche fie bei seiner Befreiung entwickeln,mit dem beschäftigen muß, worin sie ihm dienenkönnen, zu seinem Vortheil und gemeinem Be-sten große Schritte zu machen. Die Wärme, wo-mit ein Mann sein Studium ergreift, macht ihngroß. Verwechseln Sie die Warme der Passionennicht mit Schwärmerei oder gar Etourderie: diesesind jener Eigenschaft Ausartungen, wenn selbigemit keinem eigentlichen wichtigen Gegenstand be-schäftigt worden sind. Man kann aber durch diese