233 Johannes von Müller Briese.
seyn werde, als ich Einsichten und Gesinnungen,wie die Ihrigen, für die Ehre der Menschheit hal-ten werde, also immer. Wenn ich also andersschreibe, als vor Zeiten, so schließen Sie hierausnicht, ich sey anders.
, Ich bitte Sie um einen Dienst, welchen Siemir als Mensch, als Eidgenosse, als Geschichtschrei-ber und als mein alter Freund nicht versagenwerden.
Der erste Theil meiner Geschichte der Schweizhat in Zürich mißfallen. Diests nehme ich nieman-den übel, denn mir selbst gefällt nicht alles an dem-selben : dieses ist eine natürliche Folge der Fortschrei-tung meiner Kenntnisse, und ich habe nie glücklicher,nie mehr, als in Cassel, gearbeitet. Aber das istmir unangenehm, wenn meine Absicht verkannt wird.Niemals, und nun weniger als jemals, habe ichirgend eine Republik noch Monarchie geliebt nochgehaßt, oder von Zürich parteiischer schreiben ge-wollt, als von Athen, oder von Bern, als vonSparta, oder von Genf, als von Corcpra: dennwarum? Wenn durch historische Darstellung deralten Zeiten der Schweiz etwas bewirkt werden kann,so wünsche ich, daß es in öffentlichen Geschäftendie Unerschrockenheit, im Land aber politische Ord-nung und persönliche Freiheit seyn möge. Hierinsehe ich nicht allein auf das diesmalige Schweizer-land, von dem niemand weiß, >vie lange wir es be-haupten können, sondern mehr noch auf die Nation,auf daß dieselbe, wo sie nur sey, sey, wie sie soll.Vergessen Sie, was von meinen Gesinnungen inIhrem Gedächtniß oder meinen Briefen ist, haltenSie mich für diesen Augenblick für jeder Tugendunfähig, und für, Gott weiß, ob ich das bin!einen eigennützigen Menschen: kann ich, in meinerLage, in Betrachtung des gegenwärtigen Zustandes