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Johannes von Müllers Briefe an Carl Victor von Bonstetten III : geschrieben vom Jahr 1773 bis 1809 ; Briefe an Herrn Charles Bonnet : Briefe an Freunde 1 / herausgegeben von Friederika Brun
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Johannes von Müller Briefe.

Zweiten, weil ich mit andern sein Alterthum be-zweifelte. (Nun ich ihn gelesen, sehe ich, daßdieses Buch nur von ihm seyn kann.) Ich las einhalbes Jahr, in täglichem Erstaunen über das We-nige, was die neuern Geschichtschreiber gethan, dadoch so vortreffliche Materialien in den Alten lie-gen: ich wurde zugleich über die Wege der Staatenund Menschen moralisch, besser als zuvor, durchdie Details belehrt. Als ich aber Xenvphon, Plate,Aristoteles und andere weise Männer kennenlernte, nahm ich lebhaften Antheil an ihren Un-tersuchungen , bewunderte das Ringen des Geistesnach den wichtigsten Erkenntnissen, und bejammerte,daß die Zweifelhaftigkeit, in der mau endlich blieb,nicht eine Wirkung der Schwäche dieser Philoso-phen, sondern der Natur dieser Wahrheiten selbstist: welches letztere mir in die Augen fiel. In-dessen zog mich die Liebe der Wissenschaften, durchtägliche Entdeckungen angestammt, mehr und mehrin die Einsamkeit, und in dieser beobachtete ich na-türlicher Weise ungestörter, tiefer, Heller. Alsich nun den Zusammenhang der ganzen Geschichtebis auf Augustnm endlich übersah, konnte ich nichtanders als bewundern, wie alles Große und Kleinemit erstaunenswürdigster Uebereinstimmung zurZubereitung und Beförderung dessen diente, wasdie Bibel als den Rath Gottes angibt. Wenn ichtausend Strahlen bis auf ihren Ursprung verfolgteund fände sie in demselben alle beisammen, so müßteich wohl diese Stelle für ihren Mittelpunkt, dieSonne, halten: so fiele mir auf, daß Geist undLeben (durch Selbstkenntniß und Ueberzeugung derUnsterblichkeit entwickelt) der Schlüssel der ganzenWeltgeschichte seyn müssen, da sie ganz dazu ge-stimmt worden, diese Lehren zu fördern. Um hier-über mich aufzuklären, las ich in den Evangelien