295
Johannes von Müilex Briefe.
54 .
An Herrn Geh. Rath Friedr. Heinr»Zacobi in Düsseldorf.
Lasset, den i« Oktober 178 s.
Macte virtuteesto, verehrungswürdiger FreundsIhre Schrift *) ist voll großer Wahrheiten undstark gesagter Gedanken. Endlich müssen wir f»sprechen; wäre es nur des Beispiels wegen. Dennan wahrem Freiheitssinn steht unsre deutsche Ge-lehrten - Republik ihren Schwestern schändlich nach;und mir ist fast wahrscheinlich, sie werde nochtiefer sinken: die Zahl neuer Bedürfnisse steigt;bei uns können sie nur durch Gekrönte befriedigtwerden, anderswo ist reicher Adel und Gelehrten-schutz ein Ruhm. Gott weiß aber, was geschehenwird; was wir thun sollen, hat er in unsre Her-zen gelegt. Nur das noch; das Verhalten derGelehrten scheint mir selbst vor dem Richterstuhldes Eigennutzes unverantwortlich: wenn sie Män-ner wären, und keine Fürstcnlob-Trompeten, dieGroßen würden sie fürchten müssen: für wendann erobert Alerauder, wenn es nicht für dieAthenienser ist? wenn ihm diese nur für guteThaten Dank wüßten! manum de tabula; ohne-dem fällt einem die Feder aus der Hand, wennman bedenkt, wie dem armen Menschengeschlechtvon seinen Hirten und Lehrern geschieht.
Ich danke Ihnen sehr im Namen unsers vor-trefflichen alten Lehrers Macchiavelli, gegen wel-chen die Weisen, si diis placct, schreien, wie dieDiebe wider den Erfinder der Laternen. Dieses
I Etwas, das Lesstng gesagt hat !<■.