500 Johannes von Müller Briefe/
schöner, als die letztere zu seyn pflegt; aber auchweil sie diesem bestimmten Gegner so gar perti-nent und nachdruckvoll antworten. Die letzten bei-den Seiten und viel anderes ist mir aus demHerzen geschrieben. Desto begieriger bin ich, Ih-nen im Sommer die neue Ausgabe der Geschichteder Schweiz zu senden: vieles ist auch durch dieUeberlcgungen, worauf Sie mich gebracht, gleich-wie durch eine seither erworbene anschauendereKenntniß der Verfassungen unserer Staaten, weitbestimmter und oft anders ausgedrückt worden. Ichfreue mich sehr, zu sehen, daß diese unsere Grund-sätze doch wirklich von vielen Tongebern auch inden Zweigen der Politik angenommen werden(Smith, on tlie ivealth of nations, lehrt nichtsmehr, als daß die Regierungen sich einer negativenGewalt wider das Böse allein bedienen dürfen, dadas Gute durch Zwang nie geschieht). Billig er-innern Sie, daß wir nie das BevorstelMdschcinendeals unvermeidlich fürchten und erdulden müssen:Wenn der Mensch keinen Rath mehr weiß, fangendie Wege der Vorsehung an ; seit mehr als Loo Jah-ren ist auf dem großen Schauplatz fast immer dasUnwahrscheinlichste geschehen. Endlich kömmt inWahrheit auf die Form der Staaten weniger an,als auf die Lichtmaffe in denselben, welche auch dieTyrannei scheuen muß: diese nur, keineswegs einwesentlicher Unterschied in der Staatsverfaffung,macht unsere Despotie erträglicher, als die türkische.Den Fall nehme ich aus, da ein Weltreich hergestelltwürde: solch einem Unglück ist keine Aufklärungnoch Menschlichkeit möglich zu widerstehen, dennein Weltmonarch fürchtet gar nicht mehr. Dahermein System in folgende zwei Grundsätze zerfällt:1) alles, was die Menschen überhaupt besser, weiserund edelgesinnter machen kann, aus allen Kräften