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Johannes von Müllers Briefe an Carl Victor von Bonstetten III : geschrieben vom Jahr 1773 bis 1809 ; Briefe an Herrn Charles Bonnet : Briefe an Freunde 1 / herausgegeben von Friederika Brun
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Johannes von Müller Briefe-

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und weit mehr, als was die äußerlichen Formender Gesellschaft betrifft, auszubreiten, als fern mirGott hilft; 2) den Interessen der jedesmal furcht-barsten Macht, wer sie nur sey, Papst oder Kaiser,Marokko oder London, Wien oder Appenzell, niezu schmeicheln, sondern wer nur hören will, denmit lauter Stimme zu warnen.

Die Stelle in Schützers Magazin habe ich nichtgesehen und weiß nichts von dem Schreiben. Wennes herauskömmt, und schlecht ist, werbe ich es beiSeite legen; wenn es gut ist, nutzen zu meinenkünftigen Schriften. Daß ich niemand antworte,kommt wahrlich nicht aus Eigendünkel » noch daher,daß mir der Nutzen solcher Zeit- und Streitschriftenunbewußt wäre, sondern aus der Natur meinerStudien: Sie, mein Freund, erforschen in sich undandern den Menschen, abstrahiren aus diesem Stu-dium , und lehren durch Schlüsse' mit aller KraftIhres Gefühls. Mir hak von Kindheit auf die Na-tur den andern Weg aufgegeben, die Erfahrungender Menschen in allen Quellen der Geschichte müh-sam zu suchen, zu ordnen, und in Verbindung vor-zutragen. Die îectûre so vieler Bücher nimmt mirzu viel Zeit weg, um, derselben unbeschadet, oftund schnell zu schreiben: die nöthige Unparteilich-keit eines Geschichtschreibers hat mir zur Fertigkeitgemacht, im Componiren an gar keinen Menschenund keine Zeit, nur an die Sache und ihre Zeit,zu gedenken; daher ich vielleicht besser die Wahrheitvorstellen, als den Irrthum widerlegen werde.Meine ganze Natur (jeder hat seine) macht mich zuietzterm nicht sehr tüchtig. Daraus folgt meinesErachtens, daß jeder durch seine Gabe nach be-stem Vermögen dienen, der andere aber ihn brüder-lich lieben und wahrheithungrig nutzen soll. Es istZ. d. Müllers sâmmtî. Merke. XXXVII. 20