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Johannes von Müllers Briefe an Carl Victor von Bonstetten III : geschrieben vom Jahr 1773 bis 1809 ; Briefe an Herrn Charles Bonnet : Briefe an Freunde 1 / herausgegeben von Friederika Brun
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Johannes von Müller Briefe.

züglichkeit und Bitterkeit bemerkte:An DiezensStelle paßte keiner besser, alsHeinse in Düsseldorf.Dieß sey der rechte Mann, von einer Genügsamkeitohne gleichen, den könnte man sehr wohlfeil haben(dennvlv. derUniversitäts-Fonds war damals schonin schlechtem Zustand), der könne von nichts leben;sie habe schon längst gewünscht, ihn nach Mainz zuziehen, das sey ein trefflicher Mensch, der müßtenach Mainz, den sollte die Universität vorschlagenstatt Müllers, den man dem Kurfürsten empfohlenhätte." Ich konnte nichts als schweigen, und nurerwiedern, daß ich Heinsen nicht persönlich kenne.

Wie froh war ich demnach, als ich nicht langedarauf wieder eines Sonntags an der Tafel beiStadion von Ihrem zu Main; angekommenenBruder, aus dem Wirthshause zu dön drei Reichs-kronen ein Billet erhielt. M eilte sogleich zuihm, und erfuhr, daß ihm der Kurfürst selbst ge-schrieben und nur zu kommen befohlen habe. Daso weit alles anfs beste gegangen war, so kam esnun um so mehr darauf an, ihn ferner mit mög-lichster Behutsamkeit so zu leiten, daß der Zwecknicht verfehlt würde. Ich rieth ihm ohne weitersbei dem Kurfürsten um eine Audienz anzuhalten,vor seiner wirklichen Anstellung aber keinen Men-schen, außer zu dem ihn der Kurfürst zu gehenausdrücklich anweisen würde, zu besuchen, undnebenher ihm bemerklich zu machen, daß er sichlediglich seiner Leitung anvertrauen wolle. Daßich es kurz fasse, der Kurfürst wies ihn an, zuerstden Weihbischos Heimes, einige Tage darauf denStaatsrath Strauß, und den Herrn von Deelenzu besuchen. So verstrichen über 14 Tage, wo IhrBruder wie ein Einsiedler im Wirthshaus harrenmußte, und sich für Ungeduld fast nicht zu fassenwußte, da ich ihm kaum Bücher genug zur Unter-