320 Johannes von Müller Briefe.
nur, daß ich nach Heidelberg als Deputirter zumIubiläo geschickt wurde (wovon zum Theil meinejetzige Anstellung in München selbst noch eine ent-fernte Folge seyn möchte), sondern auch noch mei-nes Freundes Försters *) Berufung und Anstellungin Mainz."
Svmmering.
Baleires, e März 1785.
Ihr Brief, mein bester S., hat'mir wahreFreude gemacht. Wo ich sey, und so lange ich lebe,bin ich Ihr zu jedem Dienst. — Ich bin zwar nichtmehr in Genf, und unter „den Kindern der Zer-streuung" von Cassel bin ich der Einige ohne blei-bende Stätte. Die Zeit, welche ich in Genf zuge-bracht, verlor ich so gut als ganz über CollegiemZerstreuung, Aerger. Denn ich hatte nicht gedacht,wie viel abhängiger man bei einem Privatmannist, als unter einem Fürsten. Da ich sah,, daß meinLeben so verloren ging, faßte ich den Entschluß,alle Bande zu reißen. Einer meiner Freunde gabmir sein Landhaus/daselbst bin ich nun seit 5 Mo-naten, täglich vom Morgen bis in die Nacht, mitAusarbeitung der Geschichte meiner Nation beschäf-tiget, welche nun ganz anders wird, als vor einigenJahren. — Pecuniarisch habe ich durch denschändlichen Geiz des Mannes, dem ich meineStelle aufgeopfert habe, sehr eingebüßt; nichtsdesto weniger bin ich ganz zufrieden, mir zu leben,zu arbeiten et memoriam nostri quam maxumelongam efsicere, wenn ich kann. Wenn Schliessen
H.
*) Auch Heinse ' s.