644
am 7. vor RheimS vernommen, und der seitdem fast ununterbrochen fort«gedauert hatte. Jedenfalls gebot die Vorsicht, darauf gefaßt zu sein, daßNapoleon nun bald über die Aisnc und Marne zurückgehen, und sichwieder gegen die Hauptarmee wenden könne. Tcttenborn ließ daher Epcrnaydurch den Major Droste besetzt, stellte sich selbst bei Port-»-Binson auf,und schickte den Obersten Pfuel mit zwei Kosakenregimcntcrn noch weiterhinab nach Dormans, um so die Marne auf allen Puncten genau zubeobachten*). Rechts wurde mit dem Corps St. Pricsts, links überVcrtus mit dem General Kaissaroff, der mit dem, bisher von demHctman Platoff commandirten Kosakcncorps zu Sezanne und Fcre,Cha'mpcnoise stand, die Verbindung unterhalten**). Die Thätigkeit undKühnheit, welche Tcttenborn, seine Offiziere und Kosaken unablässigentfalteten, um Nachrichten von der Hauptmacht Napoleons zu erlangen,ist in der That über jedes Lob erhaben ***).
Am 12. März erschienen ziemlich zahlreiche Streitkräfte des Feindesvon Chateau-Thierry her, Dormans gegenüber, und auch die Einwohnerzeigten Neigung, mit ihnen gemeinsame Sache zu machen. Der OberstPfuel traf jedoch so zweckmäßige Anstalten, daß er diese in Zaum hielt,jene mit großem Verluste zurückschlug.
Als Tcttenborn die Nachricht von dem Falle von Rhcims am 13erhielt, urtheilte er sogleich, daß dieses Unternehmen der Franzosen keinvereinzeltes sein könne, beschloß, seine Hauptaufmcrksamkcit nach der oberenMarne zu richten, zog seine Streifpartcicn, welche an der unteren Marne
*) Dies Alles geschah am 10. März.
**) „Die Verbindung mit dem General Kaissaroff", sagt Varnhagcn von Enscin seinem Lettenborn, S. 169, „kostete regelmäßig einigen Kosaken Las Leben; indem Walde zwischen Epernay und Rheims, jenseits der Marne und diesseits inden Gehölzen zwischen Epcrnay und Montmirail hielten sich Lausende von be-waffneten Bauern auf." Siehe überhaupt in Betreff der Schwierigkeiten, mitwelchen Tektenborn wegen der Abneigung und des Aufstandes des Volkes zu kämpfenhatte, in dem Werke Varnhagens von Ense, S. 162 — 169.
"*) „Vorn 10. bis zum 14. sandte Tettcnborn täglich zahlreiche Parteien aus,die mit beispielloser Verwegenheit bis in den innersten Bereich des französischenHeeres eindrangen und im ganzen Lande unbeschädigt einherzogen. Von Epcrnayaus gingen beständig Parteien nach Rheims und auf die Straße von Fismcs, wosie sich mit anderen, von Dormans aus abgesandten begegneten. Das ganze Uferder Marne wurde durchstreift, und über Fere-en-Tardenois, Oulchy-le-Chatelund Villers - Cotterets bis hart an Soiffons und andere Puncte der Aisne der Feindtäglich aufgesucht und beobachtet. Gegen Chateau-Tbierry gingen täglich mehrmals
auf beiden Seiten der Marne Patrouillen. Unsere Parteien mußten sich bald
durch Wälder durchschleichen, bald Gefechte im offenen Felde mit feindlichen Lruppen-abtheilungen bestehen; das Glück war uns jedoch immer günstig.... Bei allerGewandtheit und Kühnheit der Kosaken hätte der General Lettenborn gleichwohlnicht mit ihnen allein diese glücklichen Züge ausführen können; die Unkunde derSprache, der Sitte des Landes und selbst der Mangel höherer Umsicht, die Lurchdie schärfste untergeordnete nicht ersetzt werden kann, hätten unübersteigliche Hinder-nisse entgegengesetzt. Er hatte aber eine treffliche Anordnung getroffen, die in dieserRücksicht nichts zu wünschen ließ, und außerordentlichen Nutzen brachte. Alle Kosaken-parteien wurden nämlich von deutschen Offizieren geführt, denen die Kosakenbald eben so gerne folgten, wie ihren eigenen, und durch Liese glückliche Mischungwurden selbst die schwierigsten Dinge möglich. Die Rittmeister Herbert, Bismarkund Bothmer, so wie der Lieutenant Redlich, leisteten diesmal treffliche Dienste."Lcttenborn von Varnhagcn von Ense, S. 170, 171, 172.