124 Baltassarre Peruzzi.
sind uns Zeugnisse übrig geblieben, welche beweisen, daß erin dieser Kunst den höchsten Grad von Vollkommenheit erlangt.Es scheint nicht, daß man die Kunst der Täuschung, derGegenstand und die Hauptbcdingung dieser Art von Nachah-mung, weiter getrieben, als in der Gallerie der Farnesina, diein den Garten geht und worin die Geschichte der Medusagemalt ist. Man hat zu allen Zeiten erzählt, daß öfters Thiere,besonders Vögel, sich durch das Blendwerk der Linien-Per-spektive vereinigt mit dem der Farbe in architektonischen An-sichten täuschen ließen. Das Werk Peruzzi's that noch mehr.Es täuschte nicht nur Menschen, sondern selbst die geschicktestenMaler. Als Titian einst von Vasari in diesen Saal geführtwurde, fand er sich durch die scheinbare Erhabenheit der ge-malten Verzierungen und Profile so sehr getäuscht, daß er, nach-dem ihm sein Führer schon seinen Irrthum benommen, gleichwohlnoch eine Leiter verlangte, um seine Augen durch das Anfühlenzu entzaubern. Die Vollkommenheit dieser Architekturmalereiist wirklich so außerodentlich, daß noch jetzt, obgleich gewarnt,sich nicht täuschen zu lassen, sich das Auge dennoch in dieserTäuschung wohl gefällt.
Was man gegenwärtig die Farnesina, oder den kleinenPalast Farnese nennt, war ehemals der Palast Augustin Chigi's.Seine Architektur ist von Balthasar Peruzzi . Obgleich, dasAcußere desselben die Verzierungen des Details, die ihn ver-schönert, größtentheils verloren, so ist er gleichwohl noch immereines der anmuthigsten Gebäude Roms. Seine Hauptfa^ade,nämlich die des Eingangs auf der Seite des Hofs, bietetim Erdgeschosse eine schöne Gallerie (I^o^ia) oder einenPortikus bar, welcher aus fünf Bogen besteht. Hier hatRaphael die Fabel der Psyche gemalt. Dieser Portikus, sowie das Hauptgebäude machen den Hintergrund, von zweiFlügeln aus, welche demnach die Vordergebäude desselbenbilden. Rings um die untere Etage läuft eine Ordnung