Baltassarre Peruzzi. 123
teur in einer so kurzen Zeit eine so große Menge von Gebäuden,Palästen, Säulenhallen, Gesimsen und Profilen darzustellenvermocht, und dieß alles mit solcher Wahrheit, daß man-wirkliche Gegenstände zu sehen glaubte. Die Täuschung gingso weit, daß der Zuschauer vor einer gemalten Leinwand sichin Mitte eines wahrhaften und materiellen Platzes versetztwähnte. Um diese Wirkungen hervorzubringen, wußte Baltha-sar die nächtliche Beleuchtung der Fenster so wie alle, auf dasBühnenspiel Bezug habenden Maschinen mit einer bewunde-rungswürdigen Geschicklichkeit anzuordnen."
Man mag immer in dieser Lobeserhebung jene übertriebeneBewunderung finden, welche gewöhnlich jedes neue Schau-spiel erregt, so spricht sich doch darin die Idee aller Artenvon Verdienst aus, welche die Kunst der Bühnenverzierungin sich vereinigt. Eines besondern Verdienstes indessen hatVasM nicht erwähnt, vermuthlich weil es zu jener Zeit amwenigsten in Erstaunen setzen mußte: des schönen architekto-nischen Styls nämlich, des Adels und der Reinheit der For-men, welche seither gewisse Vorurtheile mit dem Zauber derComposition für unvereinbar hielten, und des malerischen Effektsauf der Bühne. Indem Peruzzi in seine Dekorationen alter-thümliche Architektur malte, that er eigentlich nur, was er zuthun sich nicht enthalten konnte. Uebrigens ist es sehr zubedauern, daß von dem allen nur noch vergebliche Erinnerungenübrig sind. Dieß ist aber das Schicksal dieser Art von Werken:ein Schicksal, welches vielen Dingen eigen ist, die nur vonum so kürzerer Dauer sind, je mehr sie glänzen.
Wenn man sich indessen noch heute eine Vorstellung vonder Ausführung dieser Gemälde und dem Talente des Malersmachen will, so vermag man dieß am besten in der Farne-sina oder dem kleinen Palaste Farnese. Zwischen dem Talenteder Dekorationsmalerei und der Kunst der Architekturmalereiherrscht in der That eine nahe Vcrwandschaft. Von Peruzzi