Band 
Erster Band.
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138 Raphael Sanzio .

Als Leo X. sich im Jahre 15 l5 nach Florenz begab unddort einen feierlichen Einzug hielt, nahm er Michel Angelo und Raphael mit dahin, um sich von jedem derselben einenAufriß von der Vorderseite oder dem Portal machen zu lassen,womit er die schon früher von den Medicis erbaute St. Lau-rentiuskirche zieren wollte. Dieses Vorhaben hatte durchauskeinen Erfolg; aber es scheint gewiß zu seyn, daß Raphaeleinen sehr schönen Plan erfunden und gezeichnet, welchen Al-garotti in der Sammlung des Baron von Stosch gesehen zuhaben versichert und die Erlaubniß erhielt, denselben zu copiren.

Es war zuverlässig während seines damaligen Aufenthalteszu Florenz , daß Raphael Gelegenheit hatte die zwei zierlichenPaläste zu bauen, welche diese Stadt unter ihre seltenstenDenkmäler der Architektur zählt.

Der Palast Il^uceioni auf dem Platze des Groß-herzogs wurde von Einigen dem Michel Angelo zugeschrieben;aber es bedarf keiner sehr geübten Augen, die Manier jedesMeisters zu erkennen, um die Meinung zu wiederlegen. Zu-nächst ist es augenscheinlich, daß der Geschmack oder der Styldes Aufriffes dieses Palastes ganz und gar mit dem Styleanderer Paläste in Rom übereinstimmt, von denen man be-stimmt weiß, daß sie von Raphael aufgeführt worden. Dannfindet man hier auch nicht jenes Gepräge, welches die Archi-tektur Michel Angelo's so leicht unterscheiden läßt, nämlichgewisse kleine Details einer eigensinnigen Verzierung, die ihmeigen waren.

Die Fa^ade des fraglichen Palastes bietet auf einem kleinenRaume ein großartiges Ganzes dar, welches einen einfachenund reichen Anblick gewährt. Auf einem aus drei Bogenbestehenden Untersatze in Bossagc erheben sich zwei, mit Ord-nungen von runden Wandsäulen gezierte Stockwerke. DieHauptetage hat eine Ringhicra oder einen fortlaufenden Balcon,dessen Geländersäulen mit doppelter Ausbauchung mit Blätter-