Rapbael Sanzio. 143
durch sein neues Projekt von diesem Gebäude schon gerecht-fertigt.
Was wir hier Projekt nennen, bestand nach dem damalsüblichen Gebrauche in einem wirklichen Modell von erhabenerArbeit. Dieß verkündigt auch in dem lateinischen Terte desBreve das Wort korma und wird außerdem durch den BriefRaphacls an Castiglione noch bestimmter bestätigt. „Unserheiliger Vater, sagt er, hat mir eine große Last auf dieSchultern gelegt, indem er mich mit der Construktion derSt. Peterskirche beauftragt; ich fürchte nicht darunter zuerliegen. Was mir Muth einflößt, ist, daß das* Modell,welches ich gemacht. Seiner Heiligkeit gefällt, und sich desBeifalls vieler geschickten Leute erfreut. Aber mein Strebenist höher gerichtet: ich möchte die schönen Formen der alter-thümlichcn Gebäude wieder auffinden. Wird mein Flug derFlug des Jcarus seyn? Vitruv gibt mir hierüber allerdingsviel Licht, aber nicht so viel als ich bedarf."
Raphael trachtete demnach, sich mehr und mehr dem Ge-schmacke und den Formen der alterthümlichen Architektur zunähern. Vitruv entsprach nicht der Idee, die er sich davongemacht. Sein Streben ging höher. Unterrichtet, wie eres war und wie man zu seiner Zeit durch die Flüchtlingevon Constantinopel unterrichtet wurde, daß Griechenland noch mehr als ein Denkmal aus dem schönen Jahrhundertder Künste aufbewahre, schien er die Vorzüglichkeit dieserOriginalien vor den Nachahmungen derselben in dem altenRom zu ahnen und trachtete nun, durch neue Nachforschun-gen sich Kenntniß von denselben zu verschaffen. Zu diesemEnde unterhielt er Zeichner in dem mittägigen Italien undsandte deren, wie Vasari versichert, selbst nach Griechenland .
Wenn man die Verwandschaft des Prinzips und desGeschmackes kennt, welche alle zeichnende Künste 'unter sichverbindet; wenn man bedenkt, was durch die Verbindung