Band 
Erster Band.
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144 Raphael Sanzio .

derselben geleistet werden kann, wenn alle ihre Wirkungenvon einem und demselben Genie ausgehen: Wer vermöchtewohl zu sagen, was aus der Architektur der St. Peterökircheunter der Leitung Raphaels hätte werden können? Wer weiß,welche Reinheit des Profils, welche Harmonie der Formenund Verhältnisse, welchen Charakter von Eleganz und Adelin seinen Details und seinen Verzierungen dieses ungeheuereGebäude durch ein System von Nachahmung des Alterthumserlangt hätte, so wie Raphael es in sich trug. Man mußes innigst bedauern, daß dasselbe nicht nach den Zeichnungendesjenigen ausgeführt worden, der in einer andern Kunst bis-her weder erreicht noch ersetzt werden konnte.

Fruchtloses Bedauern.' Nicht nur Raphaels Modell derSt. Peterskirche in erhabener Arbeit ist verschwunden, son-dern es ist uns nur eine einzige Zeichnung, der Grundriß,davon übrig geblieben, und diesen hat uns Scrliv in seinerAbhandlung über die Architektur überliefert. Da Bramante gestorben, ohne ein vollständig redigirtes Projekt der St.Peterskirche zu hinterlassen, so hat nach dem BerichteSerlio's, welcher mit jenem in dem Leben dieses Architektenübereinstimmt, Raphael das Ganze seiner Anordnung in dieForm gebracht, in welcher sie die eben erwähnte Zeichnungdarstellt.

Dieser Plan ist unstreitig der schönste, den man sich nachdem Construktionssyftem der großen neueren Kirchen vorstel-len kann. Bekanntlich hat Bramante nach seinem erstenProjekte sich vorgenommen, die Nachahmung der großen Ge-wölbe des Friedentempels für seine Schiffe, und der Formso wie des Maaßes des Pantheons für seine Kuppel, welcheden vier Schiffen zum Vereinigungspunkte dienen sollte, inein Ganzes zu vereinigen. Genöthigt, statt der alten Ba-silika von St. Peter, über deren Säulenschiffe sich eineDecke von Zimmerwerk erhob, eine ungeheuere Construktion