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Sän Micheli.
Staaten blüthen durch den Handel, während derselbe in dengrößten Reichen unbekannt oder verachtet war. Es gab nichteine einzige Kunst, selbst die Kriegskunst nicht ausgeschlossen,welche den damals unaufhörlich sich erneuernden Streitigkeitenzwischen jener Menge von benachbarten Städten nicht einegewisse Vervollkomnung verdankte. Es ist längst anerkannt,daß Italien sogar die Ehre gebührt, im sechzehnten Jahrhun-dert das ganze Vertheidigung - und Befestigungssystem ver-ändert und verbessert zu haben; und der Urheber dieser Revo-lution war Sän Micheli.
Wenn indessen sein Talent sich blos darauf beschränkt, wennman seine Geschichte mit der Aufzählung der Bastionen, dieer aufgeführt, der Citadellen oder Wälle, deren System erverändert, kurz mit der Erzählung jener Arbeiten auszufüllenhätte, deren Plane von einer besondern Wissenschaft abhängen,und deren Hauptverdienst in der Festigkeit besteht, so würdenwir es den Abhandlungen über das militärische Geniewesenüberlassen haben, mit der erforderlichen Vollständigkeit dieDienste zu rühmen, die er der praktischen Besestigungskunstder Städte und Plätze geleistet.
Aber Sän Micheli wußte, wie viele andere Architektenseiner Zeit und selbst in viel höherem Grade, als irgend einervon ihnen, mit den tiefen Kenntnissen des Militär-Ingenieursdas Talent und den Geschmack der Civilbaukunst zu vereinigen.Mit Recht figurirt er demnach in der ersten Klasse der großenArchitekten des sechzehnten Jahrhunderts, unter denen er viel-leicht als Baumeister der Geschickteste war. Fügen wir nochhinzu, daß Niemand die Hülfsmittel, welche das architektonischeGenie darbietet, mit so viel Geschicklichkeit und mit glücklicheremErfolge selbst bei Arbeiten anzuwenden verstand, bei denenstch alles auf das Bedürfniß der Festigkeit zu rcduziren schien.
In der That wären zwei besondere Geschichten von SänMicheli zu schreiben, weil er zwei Talente in sich vereinigte,