Band 
Erster Band.
JPEG-Download
 

Antonio Sän Gallo.

185

zu verschiedenen Zeiten hervorgebracht, mit einander zu verei-nigen. Was indessen Jeder mitten unter diesen architektonischenGroßheiten, auf den ersten Blick an diesem Modelle wahr-nimmt, ist, daß dieses Denkmal wie an Einheit so an Geistverliert; daß die Kuppel, welche durch die Vorderseite derKirche verdeckt wird, keine Idee ihrer wirklichen Große mehrgestattet; daß die Vorderseite des Tempels eine solche MengeTheile darbietet, daß sie kein Ganzes mehr bilden. Es istübrigens gar nicht zu sagen, wie sehr diese Complikation durchdie außerordentliche Vervielfältigung der Arbeit den Kostenauf-wand vermehrt haben würde.

Michel Angelo widersetzte sich der Ausführung dieses Pro-jekts mit aller Freimüthigkeit eines Mannes, der weit entferntwar, den Sän Gallo stürzen noch in irgend einem Stücke seinNebenbuhler werden zu wollen. In der Folge genöthigt, seinNachfolger zu werden, fällte er das vernünftigste und überzeu-gendste Urtheil über dieses Modell durch Aufstellung einesneuen, welches nur fünf und zwanzig Skudi kostete, und nachwelchem die St. Peterskirche endlich aufgeführt wurde.

Dieses letztere Modell ist keineswegs der einzige, aber einerder merkwürdigsten Beweise, daß bei Gebäuden der gute Ge-schmack fast immer auch der wohlfeilste ist. Man hat nocheinen Brief Michel Angelo's, worin er alle Nachtheile desProjekts Sän Gallo's entwickelt. Vasari versichert, daß erdiese Menge von Glockenthürmen, Pyramiden und Spitzen,von denen dasselbe strotzt, als gothisch betrachtet.

Trotz alles dieses nur allzu gegründeten Tadels kann mandennoch dem Modelle Sän Gallo's, jede Partie im Detailgenommen, ein sehr großes Verdienst nicht absprechen. Jedeeinzeln für sich betrachtet, beurkundet, in Bezug auf die Wahlder Formen und die Reinheit des Styls, ein durch die bestenDoktrinen des Alterthums gebildetes Talent. Und was dieCvnstruktion betrift, so hat Sän Gallo hierin außerordentliche