Antonio Sän Gallo. 189
Säulen von korinthischer Ordnung erheben sich abwechselndspitzwinkelige uud runde Fenstergiebel.
Die dritte Fcnsterreihe stellt die nämliche Regelmäßigkeitder Säulenordnung dar. Indessen zeigen ihre Einfassungeneine Auswahl minder reiner Formen und einer minder strengenComposition. Alles läßt vermuthen, daß das Aeußere dieserEtage nicht (wie es in eben derselben im Innern des Hofesder Fall war) von St. Gallo , noch selbst nur nach seinenZeichnungen ausgeführt worden. Gerade jener edle, reine undverständige Charakter, welcher alle Werke bezeichnet, die vonihm selbst sind, begründet die Vermuthung, daß ein von demSeinigen verschiedener Geschmack in die Fenstereinfassungendieser Etage gewisse Neuheiten der Formen eingeführt, vondenen man nur Beispiele an den Gebäuden aus der Epochedes Verfalls des Alterthums findet. Hierunter verstehen wirzunächst jkNk klirch einen Giebel ohne Fuß vor dein Wassergeschützte Fensterbogcn, so wie jene doppelten Kragsteinen, welcheden jvnischen Säulen zur Stütze dienen, womit die Fenster-einfassungen geziert sind. Diese etwas willkührlichen Detailsscheinen einen Styl zn verkündigen, welcher von den Fußstapfendes schönen Alterthums abweicht. Und dieß war, in mehr alseinem Detail der Formen, der Styl Michel Angelo's, ob-gleich man ihm das große und schöne Gesims verdankt, welchesmit so viel Reichthum als Geschmack diese ganze Masse krönt.
Was man so eben beschrieben, bezieht sich auf die Fa^adedes Palastes gegen den Platz, so wie auf die beiden Neben-seiten, welche in allem die nämliche Zeichnung, die nämlicheEintheilung haben. Die Fayade gegen die Straße Giulaweicht von den drei übrigen blos in ihrer Mitte ab, welcheder Höhe nach aus einer dreifachen Reihe Arkaden von Tra-vertinsteinen besteht. Die untere Ordnung ist dorisch, die derersten Etage ist jonisch, und die in der obern Etage
ist eine offene Gallerie, gebildet von drei großen Arkaden,