Band 
Erster Band.
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Michel Angelo Bonaroti.

einem so klar verkündigten Berufe zu widersetzen. Der jungeMichel Angelo wurde zu Dominikus und David Ghirlandaio ,den berühmtesten Malern damaliger Zeit, aus drei Jahre indie Lehre gegeben. Was aber sonderbar scheint, ist, daß derMeister, statt wie es üblich, von seinem Schüler ein Lehrgeldzu erhalten, sich durch eine Urkunde, deren Inhalt Vasari unsaufbewahrt hat, verbindlich gemacht, dem jungen Menschenvon vierzehn Jahren jährlich sechs, acht und zehn Gulden zubezahlen: ein gewisser Beweis, daß Michel Angelo sich in die-sem Alter schon seinen Meistern, weniger als ein Lehrling oderAnfänger, welcher Unterricht von ihnen verlangt, denn als einMitarbeiter zu erkennen gegeben, der im Stande sei, ihnenbei ihren Arbeiten Hülfe zu leisten.

Bald vermochte die Schule der Ghirlandaio nicht mehrseinem Talente zu genügen: er bedurfte Meister, die im Standewaren, ihm Etwas zu lehren. Aber da sein Genie in derZeichnungskunst die Fesseln der damaligen scholastischen Routineabgestreift, war er genöthigt, ganz allein zu gehen und seineHülfsguellen in sich selbst zu suchen. Sollte man nicht glau-ben, daß es gerade diese Art von Debüt, diese Unabhängigkeitgleich bei seinen ersten Schritten in der Laufbahn der Nachah-mung waren, denen Michel Angelo jenen Charakter von Ori-ginalität verdankt, der sich allen seinen Werken aufgedrücktund ihm in der Folge seinen Lieblingsgrundsatz diktirt:vs clietro ack altri mal iiou pussa iuusuri (wer An-deren nachfolgt, wird nie voraus gehen)?

Wenn Michel Angelo durch ein frühzeitiges Talent seinenLehrern voraus geeilt, darf man wohl vermuthen, daß er auchseine Mitschüler übertroffen und daß eine solche Uebcrlegenheitnatürlich ihren Neid erregt. Diese Leidenschaft äußerte sicheinst bei einem seiner jungen Nebenbuhler, Namens Torregiani,auf eme sehr gehässige und heftige Weise. Ein Schlag m'sGesicht zerschmetterte ihm die Nase und hinterließ ihm ein