Band 
Erster Band.
JPEG-Download
 

218

Michel Angelo Bonaroti.

brachte. Er hatte sich aber dieses neuen Protektors nichtzu rühmen. Indessen war sein erster Aufenthalt zu Rom weder für die Künste noch für seinen Ruhm ganz unfruchtbar.Er bildete dort den berühmten Bachus, welcher seitdem nachFlorenz gebracht wurde. Auch verschaffte ihm der Kardinalvon Saint-Denis Gelegenheit, eine barmherzige Mutterzu verfertigen: eine Gruppe, die man gegenwärtig auf demAltare der Kreuzkapelle in der St. Peterskirche sieht.

Häusliche Angelegenheiten nöthigten Michel Angelo, nachFlorenz zurückzukehren. Seit hundert Jahren lag in dieserStadt ein ungeheuerer Marmorblock nur aus dem Grobenbearbeitet. Der ungeschickte Meissel Simons von Fiesole wußteaus einer unförmlichen Masse nur etwas ebenso Unförm-liches zu gestalten. Kein Bildhauer hatte es seitdem für mög-lich gehalten, ihn zu etwas Bessern: zu benützen. MichelAngelo besaß die Geschicklichkeit, in sehr kurzer Zeit die Bild-säule Davids daraus zu machen, welche vor dem alten Pa-läste aufgestellt ist. Ihr Verhältniß ist so groß, daß ein Mannvon vortheilhaftem Wüchse der Figur kaum bis an das Kniereicht. Einige Mängel, die man an derselben bemerkt, rührenvon den alten Meisselschlägen, deren Ungeschicktheit der neueBildhauer nicht ausgleichen konnte.

Jener Epoche gehören außer mehreren seiner Gemälde, wiez. B. die heilige Familie in der Gallerie zu Florenz , auchdie berühmten Cartons des Kriegs von.Pisa an, die ihm denRuhm des Ersten unter allen Zeichnern erwarben. Diesesherrliche Werk, welches zwischen ihm und seinen Vorgängerneine Zwischenzeit von einigen Jahrhunderten zu verkündigenscheint, wurde lange eine Zeichnungsschule für alle Künstler.Unter allen berühmten Männern jener Zeit finden wir nichteinen Einzigen, von welchem die Biographien nicht bemerken,daß er sich im Zeichnen nach diesem großen Muster gebildet;und einer der größten Bewunderer Michel Angelo's, Benve-