268
Sansovino.
sehen zu lassen, die mit den Vorsprüngen der Bogen ingerader Linie fortlaufen. Man glaubt aber, daß ein so ge-schickter Architekt wie Sansovino dieses fehlerhaften Hülfsmitttelsnicht nöthig gehabt.
Die schönen Werke, die dieser Künstler bereits in Venedig ausgeführt, verbreiteten seinen Ruf in ganz Italien. Rom ,welches sein Talent in der Architektur im Entstehen sah, wünschtedie Früchte seines reifen Alters zu genießen und berief ihn anden Hof des obersten Priesters. Anderseits bat ihn die StadtFlorenz , wo er die ersten Proben seiner Geschicklichkeit in derBildhauerei abgelegt, die Bildsäule desjenigen zu verfertigen,der ihr durch den Tod Alexanders von Medicis die Freiheitgegeben. Sansovino lehnte alle diese Einladungen von sichab, und war auf Nichts mehr bedacht, als seine in Venedig begonnenen großen Unternehmungen zu Ende zu bringen, umden Hoffnungen zu entsprechen, welche diese Stadt von seinemGenie geschöpft.
Bald darauf baute er auf der einen Seite des Glocken-thurms von St Markus eine Loggia, wo sich die Venetiani-schen Nobili zu ihrer Unterhaltung oder ihren Conferenzenversammeln wollten. Dieß kleine Gebäude steht etwas überdem Boden des Platzes erhaben. Mittelst einiger Stufengelangt man auf eine, von drei Seiten mit einer Balustradeumgebene Terrasse. Hier erhebt sich die Fa^ade, mit achthalben Wandsäulen von der zusammengesetzten Ordnung ge-ziert, die ein fortlaufendes Gesims tragen. In den drei größtenSäulenweiten öffnen sich drei große Bogen, durch die man inden großen Saal gelangt. Die vier anderen Säulenweitensind enger und enthalten sehr verzierte Nischen. In geraderRichtung über den Bogen befindet sich eine mit Basreliefsgezierte Attika, welche in Felder getheilt, die durch ihre Maaßegenau auf die Abtheilungen der untern Etage zutreffen. DasGanze ist mit einer Balustrade gekrönt, die von drei Seiten