Sansovl'no.
267
hatte, setzte statt der Ecksäule einen Pilaster, den er mit einemetwas zurückspringenden Pilaster auf der andern Seite derEcke verstärkte, welches chm erlaubte, das Gebälk zu verlän-gern und folglich den Raum seiner Eckmetope zu erweitern.Dieß die ganze Auflösung des Problems, woraus man damalssoviel Lärmens machte, das aber, wie man sieht, weder einerAufgabe noch einer Lösung bedurfte.
Im Jahre 1532 zerstörte eine Feuersbrunst einen großenTheil des Palastes Carnaro, ebenfalls am großen Kanalenahe bei St. Moriz, welchen man durch diese Bezeichnungunterscheidet. Georg Cornaro, Prokurator von St. Markus,beschloß, einen weit prächtigern aufzubauen und übertrug dasUnternehmen Sansovino , welcher seinen Absichten durch einesder schönsten Projekte zu entsprechen wußte, welche die Archi-tektur je ausgeführt. Statt aller Lobeserhebung, die wir davonmachen könnten, mögen folgende wenige Worte aus der Be-schreibung dieses Palastes von seinem Sohne Francesco genü-gen: „Durch seine Lage, sagt derselbe, durch seinePracht, seine Größe, durch die Schönheit seinerMaterialien, durch seine Constru'ktion und die Rich-tigkeit seiner Verhältnisse gehört er mit zu denmerkwürdigsten Gebäuden Venedigs ." Sein Planbietet die bequemsten inneren Verbindungen, die mannigfal-tigsten Eintheilungen dar. Sein Aufriß in drei Etagen gibtder Masse eine Höhe, die sie mit vielem Adel alle ihre Um-gebungen beherrschen läßt. Die Verhältnisse jeder Säulenord-nung sind sehr regelmäßig. Dem Gesimse der obern Etagewünschte man weniger Höhe. Die Kritik tadelt Sansovino ,in seinem Atrium auf der Seite des großen Kanals dieSeitenmauern verringert zu haben, so daß die Mauer derobern Etage mit einem Theile ihrer Dicke nicht unterstütztist. Der Architekt, sagt man, erlaubte sich diese Sünde gegendie Gesetze der Solidität, um einen Theil der Eckpilaster