Vignola. 315
würden sie noch'allenthalben sehr merkwürdige Denkmale bilden.Hier aber bemerkt man sie blos, um wahrzunehmen, daß mansie kaum bemerkt. Und dieß war gerade der Effekt, den siemachen sollten und welchen bei jeder Art von Harmonie allesDasjenige machen muß, was bestimmt ist, nur eine Nebenrollezu spielen, entweder zum Gegensatz oder zur Vergleichung zudienen. Was die Form, den Styl, den Charakter der Archi-tektur und der Verzierung betrifft, war Vignola ein viel zugeschickter Künstler, nm nicht einzusehen, daß er diese Neben-gebäude mit dem Hauptgebäude in Uebereinstimmung bringenmüsse. Indem er dieß aber sowohl in den Massen, als in denDetails und allen Theilen der ganzen Anordnung bekolgie, hatteer auch Einsicht genug, dieselben nicht zu bloßen Copien derHauptkuppel zu machen. Eme solche Wic-'.ryolung wäre fürdas Auge höchst langweilig gewesen. Das Ganze hat alleÄhnlichkeit, die es haben muß, -n als ein Werk von einerund derselben Hand zu erscheinen und hinwieder alle Man-nigfaltigkeit, welche erfordert , >rn die Eintönigkeit der Wie-derholung zu vermeiden Vignola hatte auch Theil an derConstruktion der St. Peterökirche, an der Bekleidung jenes ganzenäußern Theils der Kirche mit Travertinstein, welcher von MichelAngelo nach dem Plane und Umfang, den dieselbe vor der ebenerwähnten Verlängerung bekommen sollte, begonnen worden.
Vignola hatte sich gänzlich dem Dienste Roms gewidmet,das er wie sein Vaterland betrachtete. Papst Gregor XIII .gab ihm einen ehrenvollen Beweis seines Vertrauens, indemer ihn mit der Beendigung der Streitigkeiten beauftragte, diesich auf der Seite der Stadt Castello zwischen dem toskanischenund päpstlichen Hofe über die Gränzen der beiden Ländererhoben. Der Künstler entledigte sich dieses Auftrags mit ebenso viel Eifer als Redlichkeit. Bei seiner Zurückkunft bezeigteihm der Papst seine volle Zufriedenheit und unterhielt sich mitihm über eine Stunde lang über verschiedene Projekte. Vig-