318 Vignola.
mal von denselben entfemt, geschah es nur zur Bezweckung einergroßem Leichtigkeit. Er war der Erste, welcher die Regelnder Verdünnung und Verdickung der Säulen festgesetzt. Wenner sich von den Grundsätzen Vitruv's entfernt, welcher für diedünnen Säulen eine mindere Säulenweite als für die stärkerenbestimmt, so ist die Ursache, weil er nach dem Beispiele derAlten durchgängig die Gleichheit des Zwischenraumes zwischenden Säulen von allen Durchmessern annimmt, so ferne dieSäulen nicht durch Arkaden getrennt sind. In letzterm Falleaber regulirt er die Säulenweite nach der Weite der Bogen.Uebrigens wäre es umsonst, alle diese Details, die, um wohlverstanden zu werden, der Abbildungen bedürfen, hier weiterauszudehnen. Wir führen nur noch an, daß die AbhandlungVignola's über die fünf Säulenordnungen das Handbuch derArchitekten geworden und ihm den Namen eines Gesetzgebersder Architektur erworben.
Die moralischen Eigenschaften dieses Architekten glichen seinenTalenten und erwarben ihm die Achtung und die Freundschaftaller derjenigen, mit denen er in Verhältnissen stand. Erwar munter und lebhaft, von sanftem und gefälligem Charakter,freimüthig in seinen Reden, ein Freund der Wahrheit, gedul-dig, besonders aber unermüdlich in den Arbeiten. Mit allendiesen Eigenschaften vereinigte er eine gränzenlose Großmuthund die seltenste Uneigennützigkeit. Durch die zahlreichen Ar-beiten, die ihn sein ganzes Leben hindurch beschäftigt, hätteer sich ein großes Vermögen erwerben können; aber sorglosin dieser Beziehung wollte er weder Reichthümer sammelnnoch besitzen. Er habe, sagte er, von Gott sich immer erbe-ten, weder Mangel noch Ueberfluß zu haben. Auch hinterließer seinem Sohne Hyazinth Nichts als das Beispiel seinerTugenden und den Ruhm seines Namens.