Band 
Zweiter Band.
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Vl'ncenzo Scamozzi .

derselben nicht wiederzugeben vermögen. Deswegen begab ersich nach Venedig , wo viele Denkmäler der ersten Meister jenerZeit damals eben im Bau begriffen waren. Er selbst erzähltuns, daß er auf dem Zimmerplatze die Verfahrungsarten zulernen gesucht, die jene angewendet. Es ist nicht zu zweifeln,daß er Vieles von den Werken Palladio's gelernt und daßbesonders der Styl und die Kenntniß dieses großen Architekteneinen sehr wirksamen Einfluß auf seinen Geschmack ausgeübt.Nichts bewies dieß übrigens besser, obgleich er diese Art vonVerbindlichkeit nicht eingestehen wollte, als seine eignen Arbeiten,was uns indessen nicht abhalten darf, an denselben zu loben,was sie in Hinsicht auf Kunst lobenswürdiges darbieten.

In jeder Kunst gibt es eine Epoche, wo, wenn das Genieeinen gewissen Höhenpunkt erreicht, der Stolz Diejenigen, diein derselben leben, zu verschiedenen Mitteln verleitet, sichRuhm zu erwerben. Einige vermeinen, daß der einzige Wegzu diesem Ziele der Weg der Neuerung sei, und daß, um denRuhm der Alten zu erreichen oder zu übertreffen, man blosEtwas mehr oder anders zu machen brauche: dieß ist dasgewöhnlichste Prinzip des schlechten Geschmackes und der Bi-zarrerie. Andere, denen es. Dank der Anstrengungen, die vorihnen gemacht worden, ohne Mühe gelungen, eine gewisseHöhe zu erreichen, zu welcher sie den Weg geöffnet und geebnetfanden, eignen sich das Verdienst eines Talentes an, das siegroßcntheils den früheren Werken Anderer verdanken. AusSelbstsucht affektiren sie dann eine Geringschätzung gegen Alles,was vor ihnen ausgeführt worden, und obgleich sie NachahmerAnderer bleiben, suchen sie ihre Nachahmung zu verbergen, umnicht zu scheinen, jemandem Dank schuldig zu seyn.

Diese Verkehrtheit besaß Scamozzi . Die Geschichte, die' uns dieß enthüllt, berichtet uns, daß, während er die Geheim-nisse des Genie's Palladio's in seinen Werken und Verfah-rungsarten studirt und ausgespäht, er sich den Schein gegeben,