109
scheu Antheil mächtig, als durch den sonstigen Umfang ihrerMonarchien.
9) Oesterreich war (und ist) aus den verschiedenstenBestandtheilen zusammengesetzt: es hatte Besitzungen inDeutschlands Polen, Italien und den Niederlanden: sein ge-hörte Böhmen, Ungarn, Siebenbürgen und Dalniatien.
Kein Staat ist von der Natur auf gleiche Weise begün-stigt. In der österreichischen Monarchie gedeihen alle Be-dürfnisse das Lebens im Ueberfluß, und seine Lage befördertSeefahrt und Binnenhandel. — Als sich das österreichischeHaus unter Maria Theresia von seiner Schwäche wiedererholt und seine Hülfsquellen besser anzuwenden begonnen,hatte: da zählte es 20 Millionen Unterthanen, bei 100 Mil-lionen Gulden jährlicher Einkünfte und stellte ein Heer von275,000 Mann ins Feld. Seine Staatsschuld von 160 Mil-lionen konnte doppelt von den liegenden Gütern der Geist-lichkeit gedeckt werden. Aber noch viele Kräfte schlummer-ten im Schooße dieser Nationen und Länder.
Die Kronen der österreichischen Monarchie trug gegen dasEnde des vorigen Jahrhunderts Theresiens Sohn, Joseph II.Der russischen Catharina Glanz und des großen FriedrichsRuhm spornten ihn zu edlem Wetteifer. Aber sein über-reizter Kopf vergaß, daß jede Veränderung im Völkerlebengehörig vorbereitet, sein entflammtes Gefühl übersah, daßjeder Mißbrauch zuvor untergraben, dann erst ausgerottetwerden muß. Darum mußte dieser große Monarch seineliebsten Entwürfe noch auf seinem Todtenbett überleben.
Dennoch sehen wir auch ihn in einem grellen Widerspruchbegriffen, — einen Widerspruch, den die letzten 40 Jahrenoch schneidender herausgestellt haben: er wagte es, dieVölker emancipiren zu wollen durch Machtsprüche unum-schränkter Herrschaft und Cabinetsordern.
Die verschiedenen Länder der österreichischen Monarchiehatten verschiedene Verfassungen. Joseph suchte sie allefür den Zweck seiner Aufklärn ng gleich zu machen. Aber