Band 
Zweiter Band.
Seite
111
JPEG-Download
 

Ilt

einem Tausch der Niederlande gegen Baicrn. Damit wäreOesterreich in Deutschland allmächtig geworden. Friedrich II.schloß vor seinem Tode den Fürstenbund zur Aufrechthaltungder deutschen Constitutionen gegen ihn; auch diesen Planmußte er aufgeben.

Uebrigens stand Oesterreich, als die Einwohner über die ge-waltsamen Veränderungen nach Josephs Tode wieder zur Ruhegekommen waren, auf einer beträchtlichen Höhe der Macht.Doch hinderte die Verschiedenheit der Bestandtheile, und diezur Bewachung derselben nothwendige Zersplitterung der Kräfteeine feste Cvncentrirung.

Man muß dem Hof zu Wien das Zeugniß geben, daß erseine Länder milde regiert, überhaupt schont, so viel er kann.Dagegen übte er einen verderblichen Einfluß auf Deutschland.So lange das Haus Oesterreich dir Kaiserkrone der Deutschenals Erbkrone betrachtete, wurde Deutschlands Interesse häufigdem österreichischen aufgeopfert; Habsburgische Ländergier istbekannt.

Die Finanzverwaltung unter Maria Theresia war schlecht.Der Krieg machte Papiergeld nöthig, und selbst Josephs Spar-samkeit konnte den gesunkenen Kredit und die Zerrüttung desStaatshaushaltes nicht ganz heben: daher dieser Staat einemsteinreichen Manne gleicht, der aber auf allen seinen GüternSchulden, und deßwegen gebundene Hände hat.

Beim Ausbruch der Revolution war der französische Königein Schwager des Kaisers. Nach seinem bald erfolgten Tode bestiegLeopold (1790) den österreichisch-deutschen Kaiserthron.

iv) Preußen, war nach Oesterreich der bedeutendsteStaat deutschen Namens, dessen König, als Churfürst vonBrandenburg, dem Reichsverband angehörte.

Friedrich der Große hatte durch Erwerbung Schlesiensund der Wojewodschaft Posen die Einwohnerzahl des König-reichs von kaum drittehalb Millionen auf sechs Millionen und dieStaatseinkünfte um das Doppelte vermehrt, einen gutenHaushalt eingeführt, Handel und Gewerbe gehoben, die Ju-