303
Versammlung und Tribünen verharrten abermals in er-wartungsvoller Stille.
RobeSpierre: „Ich liebe lange Reden über Nebenfra-gen nicht; sie sind von schlimmer Vorbedeutung für dieSache der Freiheit, sie können die Liebe zu Wahrheit undVaterland, die sie überflüssig macht, nicht ersehen. Niemalshabe ich meine politische Eristenz zu zergliedern gewußt, umin mir zwei verschiedene Eigenschaften, die des Richters unddes Staatsmanns, zu finden: die erste, um den Angeklagtenschuldig zu erklären, die zweite, um mich der Strafanwen-dung zu entziehen. Ich bin unerbittlich gegen die Unter-drücker, weil ich mitleidig gegen die Unterdrückten bin. Ichkenne jene Menschlichkeit nicht, die Völker würgt und De-spoten begnadigt. Das Gefühl, das mich, jedoch vergeblich,von der constituirenden Versammlung die Abschaffung derTodesstrafe verlangen ließ, ist das nämliche, das mich heutzu verlangen zwingt, daß dieselbe gegen den Tyrannen mei-nes Vaterlands und in seiner Person gegen die Tyranneiangewendet werde. Ich finde in der Weissagung oder Vor-stellung von künftigen oder unbekannten Tyrannen keinenGrund, denjenigen zu schonen, welchen ich, fast mit allenStimmen dieser Versammlung im Einklang, für überwiesenerklärt, und welchen zu richten ich vorn Volke den Auftraghabe. Eben so wenig suche ich, wie mehrere Andere, in denDrohungen oder Anstrengungen der Despoten Europa'- Be-weggründe, den weiland König zu retten, denn ich verachtesie alle, und meine Absicht ist nicht, die Repräsentanten desVolks zu veranlassen, daß sie mit ihnen capituliren. Ichweiß, daß das einzige Mittel, sie zu besiegen, ist, daß mandas französische Volk auf die Höhe republikanischer Grundsätzeerhebt, und auf die Könige und die Sklaven der Könige dasIlebergewicht stolzer und freier Seelen über sclavische undübermüthige ausübt. Ich stimme für den Tod."
Bresson verlangte Aufschub des Urtbeils bis auf ruhi-gere, leidenschaftslosere Zeiten, wo die öffentliche Sicherheit