312
Mit dem Tode des Königs hatte sich, wie die aufgeklär-teren Demokraten alle deutlich einsahen, die Stellung Frank-reichs zu dem übrigen Europa gänzlich verändert. Zwarmochte Robespierre darin Recht haben, daß die Regierungendie Republik mehr haßten, als sie Ludwig liebten; aber seinTod war wenigstens der geeignete Vvrwand, einen vollkom-menen Bruch mit Frankreich zu machen; auch schien derdamalige Moment, über dieses Land mit vereinter Machtherzufallen, der günstigste, da Ludwigs Hinrichtung eineScheidewand zwischen die Ropalisten und Gemäßigten einer-seits, und die Jakobiner andererseits geworfen batle, so daßder Bürgerkrieg m den Departemens beinahe unvermeidlichwar. Die fremden Rationen selbst aber, welche aniänglichden Grundsätzen und Erfolgen der neuen Freiheit mit Be-geisterung zugejauchzt hatten, mußten nach ihren seit Jahr-hunderten eingewöhnten Begriffen über jene That des fran-zösischen Volks erschrecken, selbst wenn die öffentliche Meinungin Europa nicht durch alle Mittel der Wahrheit und Lügegegen die Republik bearbeitet und empört worden wäre.
Mit der veränderten Stellung zum Auslande verändertensich im Konvent auch die ausgesprochenen Grundsätze desBenehmens gegen daffelde. Am 2u. April 1792 hatte dieNationalversammlung feierlichst erklärt: „Die Nation derFranken thut auf jeden Eroberung bezweckendenKrieg Verzicht, und wird ihre Macht nie gegendie Frei heit irgend eines Volkes richten." DerSinn dieser Erklärung konnte jedoch nur unter Voraus-setzung der Gegenseitigkeit richtig aufgefaßt seyn. Wenndaher die anderen Mächte im Sommer 179? jenes berüch-tigte Manifest erließen, und, in Frankreich einfallend, des-sen Konstitution zu vernichte», ja es zu zerstückeln drohten:so war es nothwendig, daß die Franzosen Repressalien ge-brauchten : denn wenn sie, nach dem Siege, feindlichen Nach-barn ihre Staaten ließen, in welchen immer neue Hilfsquellenund Angriffswege gegen die Republik offen standen, sp hieß das