361
Vierzehntes Kapitel.
Der Kriegsrath. Der Marschall Davoust.
Mit diesen trügerischen Versicherungen, daß die großenMächte uns die Verfügung über die Krone frei stellen wür-den, konnte man wohl die Kammern amüsiren; aber wenigerleicht war es, das Heer im Zaume zu halten. Die Ankunftdes Marschalls Grouchy mit seinem Corps, das sich seitFlcurus und Limale, wo es die Preußen vor sich fliehen ge-sehen, nicht mehr geschlagen hatte, erweckte neue Hoffnung,und selbst die furchtsamsten Generale erklärten im ersten Au-genblick, man könne sich vertheidigen, und man müsse fechten.Die Regierung hütete sich wohl, diese Gesinnungen offenzu bekämpfen. Ein Gesetz erklärte Paris in Belagerungszu-stand, aber ein Decret vom 28. Juni besagte, „daß schon dieAnnäherungswerte der Hauptstadt vertheidigt werden würden,und zwar durch die Linientruppen, die jndeß von den Pkänk-lern der Nationalgarde unterstüzt werden könnten." Einevon dem Grafen von Bondy unterzeichnete Proclamationsagte zu den Parisern: „Die fremden Truppen sind nichtfern von der Hauptstadt; sie können mit jedem Augenblickunter euern Mauern erscheinen. Dieß darf euch nicht ein-schüchtern: die Nationalgewalt ist hier; sie wird die Uebelbeseitigen, die ihr zu fürchten haben könntet. Möge euregute Nationalgarde fortfahren, mit demselben Eifer, wiebisher, den nützlichen Dienst zu verrichten, den sie so bravausführt, der ihr alles Lob verdient, und der so mächtig zuröffentlichen Ruhe beitragen kann."
Eine andere Sprache hatten die Behörden von Sara-gossa geführt, als die Franzosen sich den offenen Mauernihrer Stadt näherten; mit dieser kleinmüthigen Klugheit,mit dieser ausschließenden Sorge für das Privateigenthum,