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Der nützlichen Hauss- und Veld-Schule erster Theil, in welchem ausführlich enthalten, wie man ein Land-Feld-Guth und Meyerey mit aller Zugehöre ... mit Nutzen anordnen solle : worbey dann auch zugleich eine zur Hausshaltung auf dem Lande nützliche Hauss-Artzney für Menschen und Viehe, samt allerhand raren und vorträglichen Hauss-Künsten, mit sonderbarem Fleiss colligirt ... / und nunmehr mit dem lang-verlangten zweyten Theil, samt darzu gehörigen Figuren und einem vollständigen Register an den Tag gegeben durch Georg Andream Böckler
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Claſſ. xqI. Vom Jeder⸗Vieh und Gefluͤgel. 297

Tauben in einen Keſich ſetzen/ und einem Tauben⸗Jungen oder Knecht befeh-len/ daß derſelbige ſie mit Wicken und Waſſer zweymal in einem Tage ätze/ bißdaß ſie ſelbſten anfangen zu freſſen und zu trincken; Dann alſo vergeſſen ſie ihrervorigen Speiſe/ und der alten Tauben/ und gewohnen deß nechſten Tauben-Hauſes/ daman ſie hinſetzet. Dieſes thut keine alte Taube/ dann ob ſie ſchonin ein neues Tauben⸗Hauß geſetzet/ und nur einmal außgelaſſen wird/ ſo flie-het ſie anihr altes Ort/ ob es ſchon ſehr weit und ferne von demneuen iſt. 1 b

rr. Auff dem Tauben⸗Hauſe ſolle man ihnen viel Staͤnglein machen/ da-mit ſie darauff ſitzen und ruhen koͤnnen.

VI. Allerley Taubenkuͤnſte zu beſchreiben/ iſt jetzo unſer Vorhaben nicht/wollen nur dem Meyer/ was etwann ihme bey dieſem Hofe dienlich ſeyn moͤch·te/ dieſes Wenige beyſetzen: 1

1. Daß die Tauben/ wann ſie außgeflogen/ wieder heimkom-men/ ſo nimmt man rothen Ofen · Laimen/ ſtoſſet denſelbigen klein/ und vermi-ſchet hernach ſolchen mit Kuͤmmel⸗Honig⸗und Saltz⸗Waſſer/ macht darausgleichſam kleine Laüblein/ wie Brod/ und laͤſſet esim Ofen backen; Dieſe legetman hernach an der Tauben Thuͤrlein oder Fenſter/ wo ſie aus⸗ nd einfliegen/daß ſie gewohnen/ darvon zu freſſen/ ſo bleiben ſie keinmal aus/ ſondern kommenwieder/ weiln ſie auf dieſe Speiſe ſehr begierig/ auch mit dem Geſchmack und Ge-ruch/ die andern und frembden mit ſich heimbringen. 2

Item/ wann man ihnen Linſen in Honig weicht/ oder in ſuͤſſem geſottenemWein zu freſſen gibt/ oder duͤrre Feigen mit ein wenig Honig/ knetet ſie unterduͤrr geſotten Gerſten⸗Meel/ und gibt es den Tauben zu freſſen.

2. Daß die Tauben ihr Tauben⸗Hauß lieb haben/ und gernedarein kommen/ ſo ſolle man daſſelbige offt mit Wacholder/ Roßmarin/ o-der bißweilen mit gutem Weyhrauchberaͤuchern laſſen; Dann ſolcher Geruchbehäͤlt die Tauben/ und haben das Tauben⸗Hauß darvon lieb. 8

ʒ· Wann man die Tauben zahm machen will/ ſo ſolle man denſelbi-gen bißweilen Honig/ bißweilen Kuͤmmel oder Wicken/ oder von außgereute-tem Waitzen zufreſſen geben. Man ſolle ſie aber 15. Tage innen halten/ undnichtaußfliegen laſſen; Und damit ſie Lufft haben/ ſolle mandie Fenſter oͤffnen/und Garn darfuͤr ſpannen/ nach den 15. Tagen kan man dieſes wieder hinweg

thun/ und ſie gegen Abend im Regen⸗Wetttr/ wann es duncklicht

oder neblicht iſt/ außlaſſen/ ſo fliegen ſie nicht weit/ undkommen gleich wieder.

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