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Der westphälische Friede.
(3. Buch.
und wenn man die Verwickelung der politischen Lage, die Verschiebungder Verhältnisse und des Besitzstandes, welche durch diesen Krieg entstan-den war und die Hindernisse, welche durch die Forderungen der Ausländererwuchsen, betrachtet, wenn man endlich die verschiedenen vielseitigen An-sprüche der Fremden und Einheimischen bedenkt, so muß man über dasTalent Volmar s und TrautmannSdorf's erstaunen, welche den mannig-faltigsten Erwartungen zu genügen und die widerstrebendsten Wünsche aus-zugleichen wußten. Freilich mußte das deutsche Volk nach einem dreiund -zwanzigjährigen Kriege noch sieben Jahre in einem schwankenden Zustandezwischen Krieg und der Hoffnung auf Frieden schmachten, und sehen, wieseine Kräfte vergeudet wurden.
36. Folgen des dreißigjährige» Krieges.
Deutschland war in diesem Kriege zu einer Wüste geworden undhatte die Hälfte seiner Einwohner verloren. Viele Dörfer und Städteverschwanden für immer von der Erde; ganze Gegenden waren so ver-wüstet, daß auf zehn Meilen in der Runde kein Mensch zu finden war,destomcbr wilde Hunde aber, welche ihre Herren überlebt, sich zu Schaa-reu gesammelt hatten und die Menschen, gleich hungrigen Wölfen, anfie-len und zerrissen. In Württemberg war die Zahl der Einwohner von335,000 auf 64.000, in Böhmen von 3 Millionen aus 780,000, ge-sunken. In der Pfalz fand man nur noch 200 Bauern, in Böhmen über600 Städte und 24,000 Dörfer in Asche. In Ohlau und Schmiede-berg war nur ein einziger Mensch vorhanden und von den 80,000Einwohnern Augsburgs waren nur noch 18,000 übrig. Der Viehstand, dieHäuser und Einwohnerzahl hatten fich um 70 Proc. vermindert; dieFelder und Wiesen waren verwüstet und zum Theile mit Holz überwachsen;die noch stehenden Häuser auf den Dörfern werden als halbverfallen ge-schildert. Was Wunder, daß Deutschland sich erst nach zwei Jahrhun-derten von dieser beispiellosen Verwüstung erhole» konnte, und daß es denFranzosen so leicht fiel, ganze Landschaften dem Vaterlande zu entfremdenund dasselbe mit Schmach zu beladen. Der Wohlstand blühender Länderwar zerrüttet. die Macht alter Hanse - und Reichsstädte gebrochen. DerHandel, die Gewerbe, der Ackerbau — Alles lag darnieder, weil jeder Das.was er gewann, sofort durchbrachte, aus Furcht, es durch räuberische Söld-ner zu verlieren; daher war es natürlich, daß die Menschen nur der Ge-genwart lebten und in dem wollüstigen Genusse des Heute, das Mor-gen vergaßen. Man sah nie glänzendere Kindtausen und Hochzeiten alswährend des dreißigjährigen Krieges, sodaß dagegen sogar Gesetze erlassenwerden mußten. Man sah aber auch nie gräßlichere Noth und Theuerung.