Band 
(1500 - 1815)
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115
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3. Kap.)

Folgen des dreißigjährigen Krieges.

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Die Sittenlosigkeit und Schweiger« der Soldaten, wie ihre Er-pressungen, kannten keine Grenzen. Jung und Alt. Mann und Weib, un-terlag den Lockungen der Verführung und wie schlechte Beispiele auf dieUnmündigen zunächst wirken, so zeichnete sich auch die männliche Jugenddurch Rohheit und Lasterhaftigkeit aus.

Die Religion, die himmlische Trösterin des Menschen, ging in derStreitsucht der Geistlichen, von der auch die Kanzeln wicderhallten, aus.Katholische, wie protestantische Geistliche, wußten nichts Anderes zu predi-gen, als von den Gegensätzen und Unterscheidungslehren des katholischenund protestantischen, des lutherischen und resormirten Glaubens. Nichtdas lebendige Wort der Bibel, aufgenommen im denkenden Herzen, wie-dergegeben und erläutert in begeisterter Rede, sondern trockene Auseinander,setzung der Bekenntnißschriften, steifes Festhalten am Buchstaben, warjetzt das Hauptaugenmerk der Theologen. Konnten solche Predigten er-bauen? Waren dies die Männer, welche nach dreißigjährigen Drangsa-len ein Volk, das für die höchsten Güter gekämpst, aufrichten und für denVerlust aller irdischen Güter tröste» sollten? Waren dies die Geistlichen,welche den Wcrmuthsbechcr der Leiden in den Honigtrank der Ergebungund sanften Duldung verwandeln sollten? So entschieden wir dies imAllgemeinen verneinen müssen, so achtungswerth erscheint uns doch jeneprotestantische Geistlichkeit, die, obwohl von den Fürsten, den Patronenund der Gemeinde abhängig, doch schonungs- und rücksichtslos gegen dieThorheiten und geheimen Sünden derselben auftrat und eine strengeKirchenzucht über Hoch und Niedrig übte. Zwangsmaßregeln der Fürstengegen die Kirche wurden nicht anerkannt, vielmehr widerstand man ihnenmnthig, wie das Beispiel des edlen Paul Gerhard zeigt. Aber auch diegemüthliche Seite des Menschen sollte bald in der Religion Nahrungfinden durch den Pietismus Johann Jakob Spener's und FriedrichWilhelm Francke's, des Stifters des Hallischen Waisenhauses, sowiedurch die Gründung der Herrnhutcrgemeindcn durch den Grasen Adolfvon Zinzendorf. Der Pietismus, wie das Herrnhutertbnm, haben wohl-thätig aus den Geist der Kirche gewirkt und der Welt die gemüthlicheAuffassung des BibeiworteS näher gerückt.

Im Gegensatze dazu erlitt die Glaubenslehre durch die Philo-sophie eine wichtige, wohlthätige Veränderung, obgleich das spätereBestreben der Weltweisheit, alle Gedanken des Glaubens in die engenBestimmungen des Verstandes zu fassen, fruchtlos und beinahe lächerlichwar. Der Ruhm, das geheimnißvolle Walten des Einen Göttlichen inder Natur, wie im Menschengcinüthe, innerlich vernommen und in poe-tisch-philosophischer Weise ausgedrückt zu haben, gebührt dem deutschenVolksmanne — dem Schuster Jakob Böhme, welcher 1624 zuGörlitz starb. Der deutsche Schuster hat die Vernunft zu Ehren gebracht,

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