4. Kap.)
Ludwig XlV. und Mazarin.
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Im pyrenäischen Frieden (1659) erhielt Frankreich die nörd-lichen Abhänge der Pyrenäen, die Grafschaft ArtoiS und mehrere nieder-ländische Plätze. Lndwig XIV. wurde mit Maria Theresia, Phi-lipp's I V. Tochter, vermählt, nachdem sie auf jede Erbfolge in der spani-schen Monarchie verzichtet hatte. Diese Verbindung war auf des altenKardinals Rath geschlossen worden, welcher entschieden eine VermählungLudwig's mit seiner (Mazarin's) Nichte, Maria Mancini, die Ludwig XI V.selbst heftig wünschte, ausgeschlagen hatte.
Mazarin kam von den Pyrenäen krank nach Hause. Er starb am9. März 1661 standhaft, nachdem er sich »och einmal durch seinen Pa-last und seinen Garten hatte tragen lassen. Sein Vermögen an Landgü-tern, Palästen, Edelsteinen, Gemälden, Büchern und Geld war un-ermeßlich.
Ludwig XI V. nahm auf Mazarin's Rath keinen Führer oder Pre-mierminister mehr an, ernannte den klugen Colbert zum Finanzmini-ster und die Secrctäre Le Tellier und Lionne zu Staatsräthen, wie dersterbende Cardinal gewünscht hatte. Noch besser hatte sich Ludwig Ma-zarin's Lehren von der Herrschaft und Würde eines Königs gemerkt, undbehielt den Satz: „des Königs Wille sei das höchste Gesetz des Landes,und sein Vortheil der oberste Zweck alles gemeinsamen Strebens", in gu-tem Andenken. Daher nannte sich Ludwig selbst den „Staat," und wußtedurch strenge Festigkeit seinen Befehlen Gehorsam zu verschaffen. DieParlamente beleidigte und erschreckte er dadurch, daß er einmal alssechzehnjähriger Jüngling, im Ncitanzuge, die Reitpeitsche in der Hand,in die Rathsversammlung trat und in den härtesten Ausdrücken die Wider-spenstigkeit der Räthe gegen königliches Machtgebot züchtigte. Ein ander-mal ließ er mehrere Räthe verhaften und in die Verbannung jagen, undbrachte so die Parlamente bald zum Schweigen.
Den fügsamer gewordenen Adel köderte Ludwig XIV. durch präch-tige Hoffeste und hielt ihn zugleich durch eine strenge Etiquette von seinerPerson fern, während der König selbst beim Vortrage derStaatssachen mitseinen Affen spielte, oder sich den Bart abnehmen ließ. Aufstehen und Schlafen,Mittagsessen, Spaziergänge des Königs und Anderes mehr hatten beson-dere Regeln, die auf jedem Lustschlosse zur Abwechselung anders lauteten.Alles drängte sich um den König, den Mittelpunkt des Staates, die Sonnedes Hofes. Die Frauen suchten ihm zu gefallen, die Männer ein gnädigesLächeln von ihm zu erhäschen, die Dichter wetteiferten in Lobgedichten undseine Feldherren flochten ihm Lorbern auf Lorberu um seine schöneStirn. Nie ist einem Könige mehr, aber auch nie feiner und geistreichergeschmeichelt worden. Lndwig war zwar ohne große geistige Eigenschaf-ten, aber von gesundem Blick und entschiedenem Willen, bis ihn zuletzt