Band 
(1500 - 1815)
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Ludwig XIV.

13. Buch.

die Weiber und die Priester sich ganz unterwarfen. Besonders beherrschteihn die Frau von Maintenon, welche ihm heimlich angetraut war,und der Jesuit La Chaise.

Ludwig's Regierung wird gewöhnlich das goldene Zeitalter Frank-reichs genannt, weil Wissenschaft und Künste den höchsten Glanz verbrei-teten und Frankreich selbst die Gipfelhöhe seiner Macht erstieg. Ludwigbegünstigte durch seine Freigebigkeit die Dichtkunst und der feine, wennauch nur äußerlich glatte Ton seines Hofes beförderte die Ausbildung undVielseitigkeit der französischen Sprache und schuf jene vielbewunderte Ele-ganz und Feinheit des geselligen Lebens. So blühten zu Ludwig's XI V.Zeit die Trauerspieldichter Pierre Corneille (Cid) »nd Racine(Phädra), der unübertreffliche Lustspieldichter Moliöre (Tartüffe), dereinflußreiche Kunstkenner Boileau und der witzige Sathriker Scarron,der Fabeldichter Lafontaine, die Prediger Bossuet, Flechier,Massillon, der Philosoph Pascal (lettres prnvinvisles undIiensee»), der tiefsinnige Stifter der antijesuitischen Schule von Portilloyal, ferner Gassendi, Malebranche, Bayle («livtionmürt!llistorigne et orilique. ), anderer nicht unbedeutender Dichter und Schrift-steller gar nicht zu gedenken. In der Musik glänzte Lully, in der Ma-lerei der berühmteste Landschaftsmaler Claude Lorrain, der vortreff-liche Schlachtenmaler Jacob Conrtois, genannt Bourguignon,der Geschichtsmaler Nicole Poussin. Unter den Bildhauern ragteGirardon vor allen hervor und unter den Baumeistern Frankens M a n<sard und Claude Perrault, des Gartenkünstlers Le Nätre nichtzu vergessen. Colbert ('s 1683) belebte die Industrie und den Han-del und ließ den schönen und kunstvollen Canal von Languedoc graben;allein er verbot auch die Einfuhr fremder Erzeugnisse und vergaß überder Gründung von Ost- und Westindischen Handelscompagnien demAckerbau die nöthigen Hilfsmittel seines Gedeihens zu gewähren.

Ludwig's berühmteste Feldherren waren: Condv, Türenne, Luxem-burg, Schomburg, Catinat, Villars, Berwick, Tallard, Vendüme, Bouflersund endlich der befestigungskundige Vauban.

Ein so glanzvoller Hof, wie der Ludwig's XI V., mußte bald das Vor-bild der Feinheit »nd weltmännischenBildung werden und zur Besichtigung an-locken. Der junge Adel der ganzen Welt machte daher Bildungsreisen nachParis, wo freilich trotz aller äußere» Politur seine Sitten verdorben wurden.Denn Zucht, Sitte und Sparsamkeit waren in Paris nichts weniger alszu Hause. Das sittenlose Leben, von welchem sich Ludwig XIV. nochnicht bis zur Unthätigkeit hatte anstecken lassen, äußerte erst unter seinemNachfolger die entnervendsten Wirkungen. Offen und ohne Scheu wurdenalle Schandthaten am französischen Hofe getrieben, und Feste und Bälle