6. Kap.) Friedrich I. und Friedrich Wilhelm I.
Regent, den es kränkte, daß seine Nachbarn und die Kurfürsten von Sach.sen und Hannover, Könige waren oder werden sollten. Er lag deshalbden Kaiser sehr an, ihm ebenfalls den Königstitel für das sonveraine Her»zogthum Preußen zu ertheilen. Nach langem Zaudern und gegen dasVersprechen stets bereiter Hilfe in allen Kriegen des österreichischen Hausesgab Leopold I. seine Erlaubniß dazu. Nun setzte sich Friedrich, unterfeierlichem und kostspieligem Gepränge, am 18. Januar 1701 in Königs-berg mit eigener Hand die Krone auf und that dasselbe daraus an seinerGattin, der geistvollen Sophie Charlotte, der Schülerin des großenPhilosophen Leibnitz. Zum Andenken an diese Begebenheit wurdeden 17. Januar 1701 der schwarze Adlerorden gestiftet. Zwarerhielt Friedrich nur einen „Titel", aber, „er sollte", so sagt sein großer.Enkel, „eine Lockspeise für seine Nachkommen werden, sich durch rühmlicheThaten desselben würdig zu beweisen." Seitdem nannte sich Friedrich:der Erste, König vonPreußen. Friedrich vermehrte durch Erb-schaft und Kauf das Gebiet des kleinen Königreiches. Er starb 1713,und hinterließ die Finanzen in sehr zerrüttetem Zustande, indem dreiGünstlinge, das „dreifache Weh" des Landes genannt: Wartenbcrg,Wittgenstein und Wartensleben, die Domainen und Staatseinkünfte sehrleichtsinnig verwaltet hatten. Unter Friedrich's Regierung stiftete AugustHerrmann Francke das Halle'sche Waisenhaus, während dervon seiner Gemahlin Sophie Charlotte für alles Große, Edle und Schöneeingenommene König die Universität zu Halle gründete (1694),deren vorzüglichste Zierden der berühmte Philosoph Christian Frie-drich Wolfs (geb. 1679 in Breslan), der edle, liebreiche PietistFrancke, der freisinnige Jurist Thomasius und der große Arzt undChemiker Stahl, der Erfinder der phlogistischen Theorie, waren.
Friedrich Wilhelm I. (1713—1740), das Gegentheil deSVaters, sparsam, einfach, Freund der Jagd und Kriegsspiele, erwarbVorpommern und die Grafschaft Limbnrg (tz. 54). Von despotischerGesinnung und heftig, den Wissenschaften und Künsten Feind, aber frommund kirchengläubig, wollte er auch seinen ältesten Sohn Friedrich,(geb. den 24. Juli 1712), sowohl streng religiös, als streng soldatischerziehen lassen. Allein der schwächliche Knabe gab sich mehr den Studien,als der Jagd und dem Paradedienste hin. Im Tabakscollegium zu fitzen,wo Friedrich Wilhelm Abends mit mehreren begünstigten Osficieren sichbei Bier und Tabak vergnügte, und dort die rohen Späße anzuhören, be-hagte ihm gar nicht. Am meisten ärgerte es den Vater, daß Fritz an denUebungen des Regimentes von Riesen, welche aus allen Theilen der Erdezusammengekauft, geraubt und geschenkt waren, kein Vergnügen fand.Vergeblich war es, daß Friedrich Wilhelm für den zwölfjährigen Knabeneine Cgdettencompagnie und ein eigenes Zeughaus errichtete und den