182 Friedrich I. und Friedrich Wilhelm I. s3. Buch.
Prinzen im Commißanzuge Wache stehen ließ: der schlummernde Helden-sinn konnte durch die soldatische Dressur, wie sie der Fürst von Dessauübte, nicht geweckt werden; die entwürdigende Behandlung der Soldatenwiderte ihn an. Zwar machte der Kronprinz in den Kriegswiffenschaften,worin ihn der General Graf von Finkenstein und der Oberst von Kalk-stein unterrichteten, große Fortschritte und erwarb fich durch seine Geistes-gegenwart und Klugheit das Lob aller Lehrer. Die Zufriedenheit desstrengen Vaters aber gewann er nicht, weil er an den freien Nachmittagensich lieber mit Lectüre und Musik, als auf dem Exercierplatze beschäftigte.Durch seine Hofmeisterin, die Obristin Rocoulle und den Hauptlehrerfür die Wissenschaften, Duhan de Jandun, lernte Friedrich zwar baldfertig französisch sprechen, aber nicht es orthographisch schreiben, währender das Deutsche ebenso schlecht schrieb als sprach. Daher kam auch seineVorliebe für die französische Literatur und seine Misachtung des deutschenGenius, der damals seine Schwingen zu regen begann. Latein war vomUnterrichte ausgeschlossen, weshalb der Prinz es heimlich lernen mußte.Im Orgel- und Clavierspiel hatte Friedrich die besten Lehrer, fand abernicht viel Geschmack daran. Lieber war ihm die Flöte, seitdem er im Mai1728 am sächsischen Hofe den berühmten Qu auz hatte blasen hören.Er nahm nun bei Quanz verstohlener Weise Flötenstunde und hat es ausdiesem Instrumente zu einer bedeutenden Fertigkeit gebracht und selbstviele Fiötencoucerte componirt. Einmal überraschte ihn der König, als ermit Quanz die Flöte blies. Kaum konnte Letzterer noch ein Versteck er-reichen. Wüthend trat Friedrich Wilhelm ins Zimmer, schmähte den Kron-prinzen und drohte ihm mit Stockschlägen, wenn er das Flötenblasen nichteinstelle. Den goldbrocatenen Schlasrock warf er, als zu luxuriös, ins Feuer,und fand die Lectüre Friedrich's nicht nach seinem Sinne. „Fritz ist einOuerpfeifer und ein Poet, er macht sich nichts aus den Soldaten undwird mir meine ganze Arbeit verderben," sagte der erzürnte Vater zu seinerGemahlin, welche ihn besänftigen wollte. Auch die langen hübschen Lockenmußte sich Friedrich unter heißen Thränen abschneiden lassen, weil seinVater an ihm sehen wollte, wie sich die beim Heere eingeführte Frisur mache.
Der König bestimmte sehr genau die Ausgaben des Kronprinzenund setzte gemessene Jnstruetionen für die Hauptlehrer auf. Mehrere Lec-tionen hatte Friedrich namentlich in den jüngeren Jahren mit seinenSchwestern zusammen. Großen Antheil an seiner Entwickelung hat dieinnige Freundschaft mit seiner geistreichen älteren Schwester FriederikeWilhelmine, nachhingen Markgräfin von Baireuth, gehabt,mit welcher er bis an seinen Tod sehr gern, mündlich und brieflich, ver-kehrte. In der Religion wurde er zuerst von dem Hofprediger Andreanach dem Lutherischen Katechismus unterrichtet und von Noltenius zumheiligen Abendmahl? vorbereitet. Der König wollte, daß sein Sohn recht