Band 
(1500 - 1815)
Entstehung
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238
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238 Friedrich der Große und Katharina H. (3. Buch.

und hat einer Nation von manchen liebenswürdigen Eigenschaften dasGrab gegraben.

Nach August's Tode (1733) fand eine zwiespältige Königswahlstatt. August IH. von Sachsen siegte jedoch durch Rußlands Unter«stühung über seinen Mitbewerber, den Schwiegervater des Königs vonFrankreich, Stanislaus Lesczinski. Das arme Deutschland bezahlte mitder Abtretung Lothringens die Kriegskosten. Von nun an erhielt Ruß-land die erste Stimme in allen polnischen Angelegenheiten. Der sieben-jährige Krieg war für das Czarenthum ein bequemes Mittel, ohne Arg-wohn und Aufsehen Armeen in Polen zu unterhalten und durch seineGenerale und Gesandte ein Wort bei den polnischen Reichstagen mitzu-sprechen. Sogar der ganz Europa erschütternde siebenjährige Krieg gingan der polnischen Republik — so war Polens amtlicher Name —spurlos vorüber; man wollte sich nicht im Strudel der Sinnlichkeitstören lassen.

Was Wunder, daß Katharina nach August's III. Tode (1763)immer entschiedener gegen Polen auftrat und Friedrich, von England ver-lassen, sich an Rußland anschloß, mit der Absicht, dem mächtigen Nach-bar die polnische Beute nicht allein zu lassen. Die erste gemeinsame Aeu-ßerung dieses Bündnisses war die Einsetzung Poniatowski's zum Königevon Polen. Geheime Verabredungen betrafen sowohl die Aufrechthal-tung der polnischen Verfassung, namentlich des freien Wahlrechtes unddes veto, als auch die Behinderung jeder Absicht, welche auf die Ver-erbung des Thrones in einer Familie gerichtet wäre. Was sagten diesegeheimen Artikel anderes, als: wir, Rußland und Preußen, wollen einschwaches Polen, um uns auf Kosten desselben abzurunden?

Als nun Poniatowski nach dem Antrage der einflußreichen Czar-torhskis, auf Abstellung der alte» Mißbrauche drang und unter viel-seitigem Widerspruch Abgaben erhob und das Heer vermehrte, warfensich Rußland und Preußen als Bürgen der sogenannten polnischen Frei-heit auf. Ueberzeugt, daß ihre Einmischung die Polen einiger machenkönnte, warf Katharina geschickt einen meuen Zankapfel in die streitlustigeNation. Sie forderte nämlich für die Dissidenten die Wiedereinsetzungin ihre früheren Rechte. Nicht nur, daß Katharina dadurch die öffentlicheMeinung Europas von ihren wahren Absichten ableitete, konnte sie jetztauch mit Sicherheit auf die Zuneigung der polnischen Protestanten rech-nen. Sie begünstigte deshalb die General - Conföderation von Radomunter Radzivill und Czartorhski (1767). Nachdem der russische Ge-sandte Repnin einige Bischöfe, welche sich auf dem Reichstage am heftigstengegen die Rcstituirung der Dissidenten ausgesprochen, hatte nach Sibi-rien schleppen lassen, schloß Rußland mit der Republik Polen den ewigen