Band 
(1500 - 1815)
Entstehung
Seite
239
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6. Kap.)

Friedrich der Große und Katharina il.

239

Vertrag (24. Februar 1768), in welchem die Grundverfassung derRepublik festgestellt und die Dissidenten in ihre Rechte eingesetzt wurden.

Mit Bcsorgniß hatten die katholischen Mächte, Oesterreich und Frank-reich, das Wachsen des russischen Einflusses in Polen bemerkt. AlleinOesterreich wurde durch die innige Verbindung Rußlands mit Preußen,Frankreich durch seine Finauznoth vom Kriege abgehalten. Dennochschürte der Hof von Versailles die Unzufriedenheit der Katholiken, welchezu B ar in Podolien (Mai 1768) unter Potocki, Krasinski und Pulawski,eine Gegenconföderation bildeten. Poniatowssti gerieth bei dieser Nach-richt in solche Bestürzung, daß er russischen Beistand anrief. Katharinagewährte denselben bereitwillig und ließ sogleich die katholische Konföde-ration zersprengen und die flüchtigen Häupter derselben durch Reiterei ver-folgen. Bei dieser Gelegenheit verletzten auch die Russen das türkischeGebiet und steckten die kleine krimische Stadt Balta in Brand.

Kaum war die Nachricht hiervon nach Konstautinopel gekommen,als das Volk in eine fürchterliche Aufregung gerieth. Polen und Fran-zosen schürten den Brand. Der russische Gesandte wurde in die siebenThürme gesperrt und die Pforte erklärte an Katharina den Krieg, obwohldie türkischen Festungen, Heere und Flotten in erbärmlichem Zustandewaren. Dieser Krieg dauerte von 1768—1774 und wurde durch denFrieden von Kutschuk Kainardschy (21. Juli 1774) beendigt.

Romanzow erfocht zu Lande mehrere glänzende Siege und drangbis an das linke Donauufer und die Krim vor. Alexei Orlow undElp Hinstone segelten mit der russischen Ostseeflotte in die griechischenGewässer, schlugen die türkische Flotte bei Tschcsme (1770) und ver-brannten ihre Ueberreste in dem Hafen dieser Stadt. Darauf zeigte El-phinstone die Möglichkeit, durch die Dardanellen zu schiffen. Er bestiegdas Admiralschiff und fuhr, unter lustiger Musik und ohne einen Schußzu thun, mitten in die Dardanellen, verweilte daselbst eine Stunde undkehrte dann unverletzt wieder um. Solche Kühnheit und solches Glücknöthigte die Pforte zum Waffenstillstände (1772); sie hoffte dabei ausUnterstützung Oesterreichs, welches die Erweiterung der russischen Herr-schaft über die Moldau und Wallach» nicht zugeben wollte.

Friedrich der Große war über das Glück der russischen Waffennicht minder besorgt und hatte sich deshalb Oesterreich genähert. KaiserJoseph II. besuchte sogar am 25. August 1769 den König in Neiße.Beide Monarchen überhäuften sich mit Artigkeiten und fanden sich gegen-seitig durch ihre Bekanntschaft sehr befriedigt. Friedrich machte am3. September 1770 dem Kaiser in Neustadt (Mähren) einen Gegenbe-such, wo sich auch Kaunitz cinsand. Man traf die Verabredung, dasMittleramt zwischen Rußland und der Pforte zu übernehmen, um einenallgemeinen europäischen Krieg zu verhindern. Von einer Theilung Po-