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(1500 - 1815)
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Friedrich der Große und Katharina H.

s3. Buch.

lens war ebenfalls die Rede; nur fragte es sich, wer daran Theil neh-men sollte. Merkwürdiger Weise machte die schwache Pforte sogar demösterreichischen Hofe den Vorschlag, sich mit ihr in Polen zu theilen.

Bald darauf reiste Prinz Heinrich von Preußen nach Petersburg(9. December 1770), wo er von Katharineu glänzend empfangen wurde.Da trifft die Nachricht ein, daß österreichische Feldmesser, von Truppenbegleitet, in Polen eingerückt seien, um die Zipser Gespanschaft, welche1412 von Ungarn pfandweise an Polen gekommen war, einzugrenzen.Katharina äußerte zu Heinrich: „Polen scheine ein Land zu sein, wo mansich nur bücken dürfe, um etwas aufzunehmen. Wenn der Wiener Hofdas Reich theilen wolle, so seien die anderen Nachbaren berechtigt, einGleiches zu thun." Prinz Heinrich war damit einverstanden und schriebdies seinem Bruder, welcher begierig nach dieser Gelegenheit griff, umneue Fehden zu vermeiden und die ganze Welt zu befriedigen, obwohl erauch wegen einer so groben Verletzung des Völkerrechtes manche Gewiffens-scrupel empfand und darin von d'Alembert bestärkt wurde. Katharinaschlug dieselben jedoch mit der Erklärung nieder, alle Vorwürfe- auf sichzu nehmen. Am schwierigsten zeigte sich die edle Maria Theresia, welchein einem wahrhaft herrlichen Briese dem Fürsten Kaunitz die Ungerechtig-keit, welche man zu begehen im Begriffe sei, rührend an das Herz legte.Endlich aber gab sie ihre Zustimmung, lda Rußland einmal für die Zurück-gabe der schon eroberten Moldau und Wallachei an die Türken entschädigtsein wollte. In Petersburg wurde am 5. August 1772 folgender Theilungs-vertrag gemacht: Rußland erhielt die Gouvernements Plocz undMohilew,zusammen 3500 IIIMeilen mit zwei und einer halben Million Einwohnern,Oesterreich die an Ungarn grenzenden Theile, 2500 sü Meilen mitzwei und einer halben Million Einwohnern, und Preußen bekam West-preußen (außer Thorn und Danzig) und den Netzdistrict, 631 Meilen mit600,000 Einwohnern, wodurch Friedrich Herr der Weichselmündungenund des polnischen Handels wurde.

Der Reichstag gab, nachdem die Patrioten vergebens gegen die ge-waltsame Verletzung aller Rechte protestirt hatten, (im September 1773)seine Einwilligung dazu, wofür die Verbündeten den Katholiken zu Liebedie eben erst beschützten Dissidenten aufopferten. So fällt die TheilungPolens und die Aufhebung des Jesuitenordens, welcher diese Theilungverursacht hatte, in ein Jahr (1773). Beide Ereignisse gingen damalsziemlich spurlos vorüber; keine Macht that dagegen Einspruch.

Rußland erneuerte, als die Pforte seine Forderungen verwarf, am15. Februar 1773 den Krieg und zwang sie zum Frieden von Kai-nardschy (1774). Katharina erhielt auf allen osmanischen Meerenfreie Schiffahrt und vier Mill. Thaler Kriegskosten, die Unabhängigkeit der