Band 
(1500 - 1815)
Entstehung
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247
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7. Kap.)

Kaiser Joseph II.

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die Unabhängigkeitserklärung der brabantischen Provinzen und im De-cember waren sämmtliche Österreicher aus Belgien vertriebe». Das ver-einigte Belgien erklärte sich, im Vertrauen aus die Hilfe Frankreichs, wodamals die Revolution schon ihre ersten Triumphe gefeiert hatte, sowie aufdie Eifersucht Preußens, zur Republik. Da nahm der tiefgebeugte Kaiserim Januar 1790 alle seit seinem Regierungsantritte erlassenen Verord-nungen zurück. Es war der Todesstoß für den schon krank aus dem Tür-kenkriege (1788—1791) zurückgekehrten Kaiser, dessen nie rastenderGeist sich Plötzlich zur Unthätigkcit verdammt sah. Er starb am 20. Fe-bruar 1790 mit den Worten: „Ich wünsche, daß man auf mein Grabschreibe: „Hier ruht ein Fürst, dessen Absichten rein waren, der aber dasUnglück hatte, alle seine Entwürfe scheitern zu sehen." —

Es liegt in dem Ende dieses Fürsten etwas Tragisches, das wirnicht ohne Rührung und Mitgefühl betrachten können. Voll Lebendigkeitund Geist, den Grundsätzen der Humanität huldigend, sah er alle Men-schen als seine Brüdcr an. „Wenn ich," antwortete er dem Adel aus seineBitte, den Prater nur für die höhere Gesellschaft zu bestimmen, „nur mitmeines Gleichen sein wollte, so müßte ich in die kaiserliche Gruft bei denKapuzinern Hinuntersteigen und darin meine Tage zubringen." Josephhatte die Todesstrafe abgeschafft und strenge Rechtsgleichheit eingeführt.Hohe Beamte aus dem Civil- und Militairstande, welche sonst bei Pflicht-verletzungen höchstens entlassen worden waren» sah man jetzt nicht seltenStrasarbcit verrichten und die Donauschiffe ziehen. Bewundcrnswerthist, was Joseph gleich nach dem Tode des Vaters that. Er erbte vondemselben zweiundzwanzig Millionen Gulden in Staatspapicren, schenktesie aber dem Lande, indem er sie verbrannte.

Die Reformen dieses edlen Kaisers sind vernichtet; die Hast, mitwelcher er alles Neue ergriff, steht als warnendes Beispiel in der Geschichteda, wie auch vortreffliche Bestrebungen nur Unheil und Zerrüttungensäen können, ohne daß daraus die Keime des Guten erwachsen. Man hatvon Friedrich und Joseph sehr treffend gesagt: „Jener war zu klug, umliberal zu sein, dieser zu liberal, um klug zu sein." Der mächtige Kaisersah am Widerwillen und der Unreife der eigenen Unterthanen seine Idealescheitern, deren vortheilhaste Verwirklichung überhaupt nur durch einewohlgeordnete Leitung möglich ist. I» Frankreich ging die Monarchie andem Widerstreben der Könige, den Ideen der Zeit Rechnung zu tragen,unter. Die Gedanken der Aufklärung, welche weniger der Träger, als dergeschickten Führer entbehrten, gestalteten sich hierzur Auflösung der socialenOrdnung, in dem Anstreben nach wirklicher Gleichheit, die sich nur zubald als hohles Trugbild zeigte. So nahe rückten sich damals die Bestie-bnngen der Fürsten und der Völker in verschiedenen Ländern, so entfernt