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George Washington.
s3. Buch.
väterlichen Erbe Mount-Vernon alle Reize des häuslichen Lebens. DurchFleiß und Umsicht brachte er seine Besitzungen in den blühendsten Zustand.Sowohl als Mitglied der gesetzgebenden Versammlung, wie als Richterseiner Grafschaft, erhielt er vielfache Gelegenheit, den Ruf der Rechtschaf-senheit, Pflichttreue und Geschästskenntniß, in welchem er stand, zu bewäh-ren. Zu der Zeit, wo die Streitigkeiten mit dem Mutterlande über diewillkürliche Besteuerung der Colonien begannen, gehörte Washington zuden entschiedensten Gegnern des englischen Ministeriums und bewaffnetezuerst die virginischen Milizen aus seine eigenen Kosten. Virginien sandteihn, nebst sechs anderen edle» Männern, zum Repräsentantencongreß. So-gleich richteten sich aller Blicke aus Washington, als Den, welcher derRolle eines Oberbefehlshabers der nordamerikanischen Freiheitsarmee amwürdigsten fti. Er wurde den 14. Juni 1775 wirklich dazu erkorenund widmete sich von nun an ganz der heiligen Sache seines Vaterlandes.
Washington begab sich sofort zur Armee, welche Boston bela-gerte, war aber über deren Zustand nicht sehr erbaut. Osficiere und Mann-schaft waren nicht an Disciplin gewöhnt, da es dem Geiste der Amerika-ner widersprach, sich in einem freiwilligen Kriegsdienste doch dem da-bei erforderlichen Zwange zu unterwerfen. Die Soldaten verpflichteten sichnämlich nur auf eine gewisse Zeit, sechs bis zehn Monate, worauf sie wie-der nach Hause gingen'). In einem langwierigen Kriege, wie ihn Was-hington voraussah, mußte diese jedesmalige, unter den Augen des Fein-des erfolgende Auflösung und Neubildung des Heeres, die bedenklichstenGefahren mit sich führen. Die Proviuzialversammlungcn, statt ihreRechte im Fall der Noth auf den Congreß zu übertragen, beschränktenvielmehr denselben in seinen Befugnissen, sodaß er nicht willkürlich überdie Geldmittel der Colonien verfügen konnte. Die Verpflegung desHeeres war daher so erbärmlich, daß die Soldaten oftmals Tage lang anAllem Noth litten und ganz entblößt die eisigen Stürme, Regenschauerund Schneegestöber im Bivouak ertragen mußten. Washington stieß nichtselten bei Abstellung aller dieser Uebelstände auf Mistrauen. Ein gutdisciplinirtes Heer schien Vielen ein Mittel, wodurch der Feldherr dieFreiheit unterdrücken könne. Man sagte daher Washington, wie man ver-trauensvoll hoffe, er werde nach Beendigung des Kriegs, ohne Misbrauchder Gewalt, ins Privatleben zurückkehren. Mit einem unzuverlässigen Heere,einer königlichen, englisch gesinnten Partei, den Loyalisten. im Lande, er-schienen somit die Verhältnisse der Amerikaner im höchsten Grade ge-fahrvoll.
'i Damals kam auch der Spottname Vankee auf, welchen die Eng-länder den Amerikanern beilegten. Diese nahmen ihn aber als Ehrenna-men an.