Band 
(1500 - 1815)
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289
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1. Kap.)

Bouillv. Die Flucht des KönlgS.

289

mit fester Stimme: „Gehorsam und Treue der Nation, dem Gesetze und demKönige." Dann leistete der Präsident der Nationalversammlung, von sei-nem Stuhle aufstehend, denselben Eid; endlich erhob sich auch der Königund rief mit ausgestreckten Armen: „Ich, König der Franzosen, schwöre,die ganze von der constitutionellen Staatsacte an mich übertragene Ge-walt zur Auftechthaltuug der von der Nationalversammlung beschlossenenVerfassung anzuwenden." In diesem Augenblicke, wo die Sonne denweiten Plan erhellte, die Geschützsalveu krachten und das Volk begei-stert rief: „Es lebe der König!" wurde auch die Königin von dem all-gemeinen Gefühle hingerissen. Sie hob den Dauphin in die Höhe undzeigte ihn dem Volke mit den Worten: „Hier ist mein Sohn, er hegt,wie ich, dieselben Gesinnungen."' Da kannte die Nahrung keine Gren-zen ; alles Mistraucn in die Aufrichtigkeit des Monarchen und jeder Zwei-fel des Königs au der Liebe seiner Unterthanen verschwand. Thränenfüllten Aller Augen; Fremde stürzten sich in die Arme, versprachen sichLiebe und Treue und gelobten ihr Leben für Freiheit, Verfassung undVaterland hinzugeben. Nationalgarden und Soldaten warfen ihre Was-fen bei Seite, um sich ungehindert umarmen zu können. Ein heiligesBündniß schien auf ewig geschloffen.

Leider war das Alles nur trügerisch. Schon im Jahre 1791, alsdie Tanten des Königs abreisten, erwachte das alte MiStrauen in demVolke wieder. Necker, mit beiden Seiten zerfallen, hatte schon am4. September 1790 seinen Abschied genommen und entging mit Mühedem wachsamen Volke, das in ihm einen Beförderer der Hospläne erblickte.

85. Bouille. Die Flucht des Königs (20. Juni 1791).

Der Hos dachte jetzt an Flucht. Ludwig XVI. selbst billigte die-sen Plan. Der Uebermuth der Freihcitsmänner erzeugte im Könige einmnatürlichen Widerwillen gegen die neuen Zustände. Der General Bonillv,welcher den Oberbefehl über die lothringischen Regimenter führte, solltezur Ausführung der Flucht behislich sein.

Als Ludwig XVI. das Osterfest in St. Cloud zubringen wollte,verhinderte das Volk seine Abreise und die mistrauischeNationalversamm-luug faßte nun den Beschluß, daß eine Flucht des Königs seineAbsctzungnach sich ziehe und daß die Güter der Emigranten confiscirt werden sollten.

Am 20. Juni Nachts gelang es endlich der königlichen Familie, heimlichaus Paris zu entkommen. Ludwig hinterließ nnklugerweise in den Tui-lerien eine Protestation gegen alle Beschlüsse der Nationalversammlung,welche zwar seinen Schritt motiviren mochte, im Falle die Flucht abernnslang, ihm nur zum Verderben gereichen konnte. Die Reise ging zu-

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