290
Die Flucht des Königs.
ft. Buch.
erst glücklich von Statten; Ludwig wurde sicher und heiter; ja er warunvorsichtig genug, sich zu zeigen. In Varennes erkannte ihn der Post-meister Dronet und benachrichtigte davon den Hauptmann der National-garde. Bald war der König umringt und mußte nun die Straße wiederzurückfahren, welche er gestern mit so vielen Hoffnungen eingeschlagenhatte. Bouillo und die auf den einzelnen Stationen posierten Officiereboten vergebens Alles zur Befreiung des Königs auf. Allein es war zuspät und die Truppen zeigten sich nicht zuverlässig.
Ludwig wurde als Gefangener nach Paris gebracht. Die Jakobi-ner und das Volk forderten die Absetzung des Königs, während die Mehr-zahl der Abgeordneten ihm den Thron zn erhalten wünschte. Der AbfallLameth's und Barnave's, der früheren jakobinischen Häupter, welche vondem traurigen Schicksale des Königs und der liebenswürdigen AnmuthAntoinette'S gerührt waren, verschaffte der constitutionell-monarchischenPartei den Sieg. Die Royalisten bildeten nun ebenfalls einen Club, dender Feuillans, um die Jakobiner, unter denen sich die RepräsentantenRobespierre und Petion auszeichneten, mit ihren eigenen Waffen zubekämpfen.
Die Verhöre des Königs wurden bald darauf eingestellt. Der Be-richterstatter erklärte, es sei kein Grund, den König des Thrones zu be-rauben. Die Anträge der Republikaner auf eine Regentschaft fielen durch.Diese Partei aber wollte mit der Masse durchsetzen, was ihr auf legalemWege abgeschlagen war. Brissot legte auf dem Altare des Vaterlandesam 17. Juli eine Bittschrift nieder, welche die Absetzung Ludwig's for-derte. Tausende strömten herbei, sie zu unterzeichnen. Lasayette zer-streute zwar die Menge; sie kam aber bald in größerer Anzahl zurück-und wurde von Danton und Camille Desmoulins aufgefordert, sich durchnichts in ihrem patriotischen Handeln irremachen zu lassen. WildeSGeschrei antwortete darauf, und das Volk ergriff zwei alte Invaliden,welche man für Spione hielt und ermordete sie. Da erschien Lasayette,zum zweiten. Male, mit einigen Bataillonen Nationalgarden. Bailly for-derte das Volk auf, auseinanderzugehen. Steinwürfe antworteten ihm.Lafayette ließ nun blind Feuer geben; die Menge höhnte, daß die Bürger-garde nicht treffe. Da befahl Lafayette, eine neue scharfe Salve zu geben,worauf die erschrockene Menge mit Hinterlassung vieler Todten und Ver-wundeten die Flucht ergriff. Die cvnstitutionelle Partei hatte auf demsel-ben Bundesfelde, wo sie ein Jahr vorher ihren Triumph gehalten hatte,den Sieg über die Republikaner in offener Feldschlacht davongetragen.
Diese Mäßigung und Klugheit der Nationalversammlung wäre indeßbald durch den Abgang vieler Officiere, den Austritt von zweihundert-undneunzig mit dem Gang der Versaffungsberathung unzufriedenen Ab-