Band 
(1815 - 1854)
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Excesse in Brüssel.

(2. Kap.

tete er ein Schreiben an König Wilhelm, worin er ihn bat, Belgien zuretten, ehe es zu spät sei. Er wandte sich nach Paris und sah von fernden revolutionären Sturm auch über sein Vaterland dahin fegen. DieJulitage gaben den Belgiern ein schlimmes Beispiel; man fand die hei-mischen Verhältnisse den französischen ähnlich; Pariser Sendlinge be-mühten sich, durch Geld und aufreizende Reden auch dieses Land zu re-volutioniren.

In Brüssel waren für den 24. August große Feierlichkeitenzu Ehren des königlichen Geburtstages vorbereitet. Sie unterblieben je-doch ; denn schon am 23. fand man an den Straßenecken folgende An-schläge: „Montag Feuerwerk, Dienstag Illumination, Mittwoch Re-volution !" Am 25. August kam es nach der Aufführung der „Stummenvon Portier" zu bedenklichen Auflänfen. Volkshaufen durchzogen unterdem Rufe: „Es lebe de Potter! Nieder mit van Maanen!" die Straßen,zerstörten die Wohnung des ministeriellen Redacteurs Libry Bagnano,das Haus des Polizeidirectors und den Palast des verhaßten Justizmi-nisters. Endlich stürzte sich der Pöbel auf einige Fabriken, zündete siean und verhinderte alle Löschanstalten. Das Militair mußte sich mit Ge-walt Bahn brechen, um zum Feuer zu gelangen, wobei sich ein Kampfentspann, der bis zum nächsten Morgen dauerte. Daraus trat durch ge-genseitige Ucbcreinkunft Waffenruhe ein. Diesen Augenblick benutzte dieBürgerschaft, eine Sicherheitswache zum Schutz des bedrohten Eigen-thums zu errichten und an den König Abgeordnete zu senden, müder Bitte,daß er van Maanen entlassen, völlige Preßfreiheit, Geschwornengerichteund Freiheit des Unterrichts gewähren, die Generalstaaten aber bald zu-sammenrufen möge (29. August). Ohne diese Wünsche gerade abzuwei-sen , benahm sich der König doch so, daß man das Schlimmste fürchtenmußte, indem er sagte: „mit der Pistole auf der Brust lasse er sich nichtsabtrotzen." Zugleich setzten sich mehrere Regimenter gegen Brüssel in Be-wegung ; in und um Antwerpen wurde eine Armee zusammengezogen. Derganze Süden erhob sich bei dieser Nachricht und der Prinz Wilhelm vonOranien, welcher durch des Vaters Hartnäckigkeit die belgischen Provin-zen zu verlieren fürchtete, eilte nun nach Brüssel, um durch seine persön-liche Liebenswürdigkeit die Häupter der Bürgerschaft zu gewinnen. Alleindie Dinge waren inzwischen noch weiter gediehen und die Brüsseler ver-langten völlige Trennung Belgiens von Holland in Verfassung und Ver-waltung (3. September). Der Prinz versprach, diese Forderungen zu be-fürworten und eilte nach dem Haag. König Wilhelm erließ nun eineProclamation, worin er sich nicht abgeneigt zeigte, den Wünschen der Bel-gier zu entsprechen und dazu die Generalstaaten einberief (13. September).Auch hatte er schon am 3. September van Maanen entlassen. Allein dieThronrede des Königs bei Eröffnung der Generalstaaten war für die bel-