2. Kap.)
Rückzug der Holländer.
101
gischen Abgeordneten so verletzend, die Verhandlungen so schleppend, daßdie meisten belgischen Deputirten sich nach und nach entfernten. In Brüsselnahm dagegen die Bewegung an Heftigkeit zu und überfluthete alle Dämme.Am 21. September bildete sich eine provisorische Regierung für Brüssel,Löwen, Namur und Lüttich, als der Prinz Friedrich mit 7000 Manngegen Brüssel vorrückte und über die Aufrührer strenges Gericht zu haltendrohte. Jene provisorische Regierung bestand aus dem Baron vanHoogh-vorst, dem Ingenieur Jolly, dem Advocaten Rogier und dem Generalvan Haien, denen später der zurückgekehrte de Potter, Gendebieu, van deWeyer, Merode, Nicolai, Coppin und Vanderliuden beigegeben wurden.In Brüssel hatten sich viele französische Freischaaren eingesunken, welchedas Volk beredeten, dem Prinzen Friedrich entgegenzuziehen. Es ent-spann sich ein Gefecht, die Freischaaren wichen bis in die Thore Brüssels<22. September) und Prinz Friedrich erzwäng sich, nach einem furcht-baren Kampfe, den Eintritt in die Stadt. Darüber brach die Nacht her-ein. Die Brüsseler, durch Freischaarenzüge aus der Umgegend von Stundezu Stunde verstärkt, setzten am Morgen den Kampf fort und drängten dieHolländer in den Park zurück. Ein Abenteurer aus Belgien, der unterfranzösischen, spanischen und russischen Fahnen gefochten hatte,DonJuanvanHalen, übernahm den Oberbefehl über die Belgierund wurde vom französischen General Mellinet trefflich unterstützt.Seine meisterhaften Dispositionen, besonders die glückliche Aufstellungeiner Batterie am 25., deren Kugeln in den Reihen der Holländer furcht-bar wütheten, nöthigten den Prinzen zum Rückzüge, nachdem er 4000Mann umsonst geopfert hatte (26., 27. September). Dieser schrecklicheKampf, in welchem man beiderseits nicht einmal die Gesetze des Völker-rechts beobachtete, zerriß die letzten Fäden, mit denen Belgien an Hollandhing. In allen Dörfern und Städten tönten die Sturmglocken, derEnthusiasmus über den Sieg der Brüsseler setzte die Gemüther in Flam-men, die belgischen Besatzungen liefen auseinander, die Holländer in bel-gischen Plätzen wurden gefangen. Am 17. October befanden sich alleStädte und Festungen, mit Ausnahme Venloo's, Mastricht's und Antwer-pen's, in den Händen der Belgier. — Prinz Friedrich war am 2. Octo-ber wieder in Antwerpen angekommen ; bald traf hier auch der PrinzWilhelm von Oranien ein, der, nach dem einmüthigen Beschlusse der Ge-neralstaaten und des Königs (28. und 29. September), zum Statthaltervon Südbrabant ernannt worden war, um die Trennung Belgiens vonHolland einzuleiten. Am 4. October erließ er eine Proklamation, woriner kundthat, daß das Land eigene Verfassung, völlige Lehrfreiheit, be-liebige Sprache und eigene Beamte haben solltet An demselben Tageproclamirte die provisorische Regierung in Brüssel die Trennung Belgiensvon Holland und die Bildung einer Föderativrepublik und schrieb die